Das Grundeinkommen führt in die Knechtschaft und nicht in die Freiheit

[Claudia Wirz:] Herr Professor Eichenberger, Sie halten nicht viel von der Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens für alle. Aber wäre es nicht schön, wenn wir nur noch arbeiten dürften, weil wir wollten, und nicht mehr müssten?
[Reiner Eichenberger:] Natürlich wäre das schön. Aber wer glaubt, das sei mit einem bedingungslosen Grundeinkommen erreichbar, täuscht sich.

Warum?
Für viele seiner Verfechter ist das Grundeinkommen eine Art Befreiungstheologie. Wenn man es aber konkret durchrechnet, funktioniert das Modell einfach nicht. Will man es realistisch ausgestalten, landet man letztlich bei Milton Friedmans Idee einer negativen Einkommenssteuer aus den 1960er Jahren. Friedman wollte damit die «Sozialfalle» beheben; Sozialhilfeempfänger sollten einen Anreiz erhalten, wieder zu arbeiten. Heute wissen wir aber, dass die Idee einer negativen Einkommenssteuer nicht funktioniert: Die positiven Anreize sind zu klein und die negativen zu gross. Auch das Grundeinkommen würde sein hehres Ziel verfehlen.

Es ist also kein Weg zurück ins Paradies?
Im Gegenteil! Viel Sozialpolitik und viel Regulierung führen in die Knechtschaft, nicht ins Paradies. Das Grundeinkommen wäre ein immenser, unglaublich teurer Staatseingriff. Er würde unweigerlich ins Abseits führen.

Wieso ins Abseits?
Weil die Steuerlast für alle massiv zunähme. Das bedingungslose Grundeinkommen sollen alle ohne Gegenleistung erhalten. In der Schweiz redet man von 2500 Franken pro Monat bzw. 30 000 Franken pro Jahr. Nehmen wir den Durchschnittsbürger als Beispiel: Er verdient rund 70 000 Franken. Dazu kämen 30 000 Franken Grundeinkommen. Wenn das Ganze nicht defizitär sein soll, muss aber der Durchschnittsbürger sein eigenes Grundeinkommen selbst aus seinem Arbeitseinkommen finanzieren. Das ist ein völlig unsinniger Leerlauf. Die Belastung alleine zur Finanzierung des Grundeinkommens entspräche einem Steuersatz von über 40 Prozent auf dem gesamten Arbeitseinkommen. Hinzu kämen die Steuern für alle anderen Staatsleistungen. Die negativen Anreize gegen Erwerbsarbeit und für legale und illegale Steuervermeidung sind offenkundig.
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Würden mit dem Grundeinkommen folglich alle Schichten verlieren?
Ja, denn wir sprechen bei einem bedingungslosen Grundeinkommen von enormen Beträgen, die nur über Steuern finanziert werden könnten. Hohe Steuern machen die Menschen unfrei. Die Menschen würden Wege suchen, um der Steuerlast auszuweichen. Das wiederum würde unweigerlich zu einer stärkeren Kontrolle der Bürger durch den Staat führen. Das Grundeinkommen bewirkt das Gegenteil von Freiheit.1


  1. nzz – «Ein Grundeinkommen führt zur Knechtschaft und nicht in die Freiheit» – Der Finanzwissenschafter Reiner Eichenberger plädiert für ein Grundkapital anstelle eines bedingungslosen Grundeinkommens []