Globalisierungsverlierer gibt es nicht

Globalisierung bedeutet nichts anderes als globalen Handel. Wo früher hauptsächlich mit den Leuten im Nachbardorf oder höchstens noch mit jenen in der angrenzenden Region gehandelt wurde, haben sich die Handelsbeziehungen in den letzten Jahrzehnten immer weiter ausgedehnt, bis sie mehrere Kontinenten überspannten und die Menschen mit ihren jeweiligen Antipoden verbanden. Handel jedoch ist ein Ausdruck der Freiwilligkeit. Wenn zwei Personen miteinander handeln, dann tun sie dies, weil sie beide den Tausch der betreffenden Güter für vorteilhaft finden. Handel schafft also nicht Verlierer und Gewinner, sondern macht aus beiden Parteien Gewinner. Globalisierungsverlierer gibt es also nicht, es gibt nur Leute, die durch ihren Staat oder Stamm vom Tauschhandel mit dem Rest der Welt abgehalten werden und so nicht von der interregionalen und internationalen Arbeitsteilung profitieren können. Das Problem ist also der Staat und nicht die Globalisierung oder der Kapitalismus.

Auch die Natur (oder die Umwelt) ist keine Globalisierungsverliererin. Umweltverschmutzung z.B. ist kein Nebenprodukt des Kapitalismus, sondern hat seinen Ursprung im inkonsequenten Schutz von Eigentumsrechten. Erlaubte es der Staat den Menschen, Meer-, See- oder Flussabschnitte zu besitzen, so könnte man auf rechtlichem Weg all jene verfolgen, die Müll in Gewässern entsorgen oder für Tankerunglücke verantwortlich sind. Denn diese Dinge stellen nichts anderes als eine Schädigung des Eigentums von Drittpersonen ohne deren Einwilligung dar. Dasselbe gilt für Luftverschmutzung: Wer z.B. eine Fabrik betreibt, die viel Rauch erzeugt, der haftet für den Schaden, den dieser Rauch verursacht und kann von den Geschädigten nicht nur dazu gezwungen werden, Schadensersatz zu zahlen, sondern auch dazu, Filter in die Kamine einzubauen oder seine Aktivitäten einzustellen.

Die Probleme vieler Drittweltstaaten lassen sich also nicht durch Staatsinterventionen oder Handelssperren lösen, sondern nur durch den rigorosen Schutz von Eigentumsrechten und Freihandel. Dazu gehört auch, dass Erstweltstaaten ihre Zölle abbauen, keine Importrestriktionen erheben und insbesondere die unsäglichen Agrarsubventionen einstellen.

Author: Benjamin B. | Date: Tuesday, October 20th, 2009 | Category: Hintergrund | Tags: , , , | |

13 Responses to Globalisierungsverlierer gibt es nicht

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  2. ali says:

    Globalisierungsverlierer gibt es nicht

    Diese Aussage ist ökonomisch gesehen schlicht falsch. Selbst die überzeugtesten Befürworter von Freihandel bestreiten nicht, dass durch die Veränderung die eine Handelsliberalisierung in einer nationalen Ökonomie bringen kann, Verlierer und Gewinner geschaffen werden. In der Regel ist der Gewinn für die Gewinner grösser als der Verlust der Verlierer. Aber es gibt sie, die Globalisierungsverlierer, nur ist es kein Argument gegen Handelsliberalisierung.

    Interessant ist natürlich die Frage, ob und wie man die Verlierer kompensieren kann und will.

  3. Benjamin B. says:

    Dann erkläre mir bitte, wer diese Verlierer sind und wieso sie durch die Globalisierung verlieren.

    (Zur Klarstellung: Ich wollte mit der obigen Aussage keinesfalls behaupten, dass bei einer Handelsliberalisierung manche Leute ihre Privilegien verlieren können.)

  4. Wem gehört genau die Luft, welche durch eine Fabrik verschmutzt wird? Oder wem könnte sie gehören?

  5. Benjamin B. says:

    Philippe,

    bezüglich Luftverschmutzung gibt es verschiedene Ansätze. Einerseits der, dass die Luftmasse, die ein Grundstück und Haus umgibt, dem Grund- und Hausbesitzer gehört. Man kann dies aber auch mit dem Konzept von Easements ausdrücken, dass also der Hausbewohner ein Recht auf frische Luft hat. Rauch beschädigt häufig aber auch direkt das Eigentum der Angrenzenden (und ihre Gesundheit).

    Eine Einschränkung gibt es aber: War die Fabrik zuerst dort, also vor all ihren Nachbarn, dann hat der Fabrikbesitzer gewissermassen ein Recht auf ein bestimmtes Ausmass der Luftverschmutzung. Neuzuzüger können also nicht von ihm verlangen, dass er etwas gegen den Rauch tun. Sie können aber verlangen, dass die Rauchbelastung nicht zunimmt. Der Fabrikbesitzer hat also nicht das Recht, nachträglich, nachdem die benachbarten Grundstücke besetzt wurden, mehr Rauch auszustossen.

  6. ali says:

    Ich werde keine Vorlesung in Handelstheorie halten. Kurz zusammengefasst findet in der Regel eine Spezialisierung statt, wenn Handelsschranken fallen (man produziert wo man einen komparativen Vorteil hat). Je nach Produktionsfaktor denn man besitzt und seinen Anteil im nicht-Spezialisierung-Sektor, verliert man dann Einkommen. Wenn du mehr wissen willst googelst du am Besten “Heckscher-Ohlin Theorem” und “Stolper-Samuelson Theorem”.

    Wie gesagt, unterm Strich ist die Sache trotzdem positiv. Langfristig kann das System dann auch neu strukturiert werden. Es stimmt aber nicht, dass es unmittelbar keine Verlierer gäbe.

  7. Benjamin B. says:

    Ah, dies meinst du mit Verlierer: Unternehmen, die weniger Güter verkaufen können, weil andere Unternehmen Güter anbieten, die den Konsumenten lieber sind. In diesem Sinne gibt es aber nicht nur Globalisierungsverlierer und Handelsliberalisierungsverlierer, sondern auch Modeänderungsverlierer, Kulturänderungsverlierer, Technologieänderungsverlierer, Strukturwandelverlierer. Es gibt so viele Verlierer, dass es meiner Ansicht nach keinen Sinn mehr macht, einzelne Gründe herauszupicken, diese mit dem Begriff Verlierer zusammenzuführen und daraus ein neues Wort zu machen.

    Schlussendlich ändert diese Benennung von erfolglosen Unternehmen als Verlierer nichts daran, dass ein Tauschgeschäft aus allen beteiligten Parteien Gewinner macht. An diesem spezifischen Tauschgeschäft nicht beteiligte Parteien als Verlierer zu bezeichnen, wirkt etwas merkwürdig auf mich.

  8. ali says:

    Nein, es geht nicht in erster Linie um Unternehmen. Es geht um den Besitz an den Produktionsfaktoren und die Spezialisierung durch das Fallen der Zölle. Unternehmen sind abstrakte Gebilde und können sich daher (theoretisch zumindest) einfach anpassen, oder sonst selber Schuld. Vor allem in Bezug auf den Faktor Arbeit sind die geschaffenen Probleme dramatischer/komplizierter und ein ‘selber Schuld’ nicht ganz so einfach (z.B. wenn schlecht ausgebildete Arbeit als Faktor gegen Hi-Tech Jobs ‘gehandelt’ werden).

    Wie schon mehrmals erwähnt, dies ist kein Argument gegen Freihandel finde ich, aber es ist etwas womit man sich auseinandersetzen muss (und es zeigt, dass es sie gibt, die Verlierer).

  9. Benjamin B. says:

    Arbeiter müssen sich auch anpassen, wenn sich der Modegeschmack oder die Technologie ändert. Wenn du Personen als Globalisierungsverlierer bezeichnest, wieso dann andere nicht als Verlierer des technologischen Fortschritts, Modeänderungsverlierer oder dergleichen? Wieso jemanden einen Verlierer nennen, dessen Attraktivität auf dem Arbeitsmarkt kurzfristig gesunken ist?

  10. ali says:

    @Benjamin B.
    Du schreibst:

    Handel schafft also nicht Verlierer und Gewinner, sondern macht aus beiden Parteien Gewinner. Globalisierungsverlierer gibt es also nicht

    Das stimmt aber nicht. Innerhalb der Parteien gibt es Verlierer. Ich nenne sie nicht so, weil ich die Produktionsmittel verstaatlichen will oder sonst einen Unsinn, sondern weil sie es schlicht sind. Sie werden auch in jedem mir bekannten Lehrbuch zur Handelstheorie als solche bezeichnet.

    Wenn dir schlicht der Begriff “Verlierer” nicht passt kann ich auch nichts für und du kannst es meinetwegen umdefinieren. Dann ist aber dein Titel wie auch dein Eintrag irreführend, weil er den Begriff in einer gelinde gesagt äusserst unorthodoxen Weise benutzt.

    Und um auf deine politischen Argumente einzugehen (aber darum ging es mir nicht und dazu habe ich auch nicht Stellung bezogen): Ja, es gibt sie die Modernisierungsverlierer, die Technologiewandelverlierer und, und, und… Strukturwandel schafft Verlierer. Die Frage ist, wann ist es selbstverschuldet.

    Wenn ein Individuum nicht aus Eigenverschulden oder Flexibilitätsmangel kurzfristig Opfer eines Strukturwandels wird, kann man das nicht einfach mit einem, “bist halt weniger attraktiv auf dem Arbeismarkt” wegwischen (ein Minimum an zwischenmenschlicher Empathie sollte auch im freisten aller Märkte Platz haben). Dies gilt besonders in Fällen wo eine ‘Umschichtung’ nicht schnell passieren kann (wie z.B. in meinem Beispiel von schlecht ausgebildeten Arbeitskräften).

    Beim Abbau von Handelsschranken kommt dazu, dass dies ein rein politischer zu fast 100% steuerbarer Entscheid ist.

    Aber dies sind wie gesagt politische Argumente und darüber kann diskutiert werden. Es ist aber schlicht eine Tatsache, dass es sie gibt, die Verlierer genau so wie es die Gewinner gibt und die letzteren gewinnen mehr als die ersteren verlieren. Das ist mehr oder weniger Konsens unter Ökonomen. Ich nehme mal an, du möchtest nicht die Lehrbücher neu schreiben oder?

    (P.S.: Ohlin und Samuelson haben übrigen beide einen Wirtschaftsnobelpresi für ihre Theorien erhalten. Es ist also wirklich Mainstream)

  11. Benjamin B. says:

    Mein Argument war bloss, dass man beide Parteien zu den Gewinnern zählen kann, weil sie nicht handeln würden, wenn sie nicht vom Handel profitieren können. (Ich habe auch nicht direkt über Handelsliberalisierungen gesprochen, sondern über die Ausweitung der Handelsbeziehungen.) Du hingegen scheinst die Situation der Parteien nach der Handelsliberalisierung mit der Situation davor zu vergleichen. Und du kommst dann zum Schluss, dass der eine Handelspartner davor besser dran war, weil er dank Protektionismus z.B. höhere Preise verlangen konnte. Weil er dies nun nicht mehr kann, bezeichnest du und viele Ökonomen ihn als Verlierer. Darüber hinaus bezeichnest du jene als Verlierer und Opfer, die wegen dem Strukturwandel kurzfristig keinen Job mehr finden, oder nur einen schlechter bezahlten.

    Ich sehe nicht ein, wieso Ökonomen einen derart gebrandmarkten Begriff wie Globalisierungsverlierer benutzen sollten oder wollten. Personen pauschal als Verlierer zu bezeichnen, dünkt mich recht merkwürdig.

    Ach, lassen wir das. Wenn du bestimmte Personen als Verlierer bezeichnen willst, dann tu’ das. Ich lass’ meine Finger davon.

  12. ali says:

    Mein Argument war bloss, dass man beide Parteien zu den Gewinnern zählen kann, weil sie nicht handeln würden, wenn sie nicht vom Handel profitieren können.

    Dies stimmt nur wenn du in Aggregaten denkst. Seit wann hast du dir denn kollektivistische Denke angeeignet?

    Ich habe auch nicht direkt über Handelsliberalisierungen gesprochen, sondern über die Ausweitung der Handelsbeziehungen.

    Das macht für diese Diskussion null Unterschied (ausserdem ist eines eine Konsequenz des anderen). Oder erklär mir bitte warum das etwas für die ökonomische Argumentation ändert.

    Du hingegen scheinst die Situation der Parteien nach der Handelsliberalisierung mit der Situation davor zu vergleichen.

    Ja. Eine Notwendigkeit wenn du “Gewinner” und “Verlierer” feststellen möchtest. Sonst geht das gar nicht und um genau diese Kategorien ging dein Posting.

    Und du kommst dann zum Schluss, dass der eine Handelspartner davor besser dran war, weil er dank Protektionismus z.B. höhere Preise verlangen konnte. Weil er dies nun nicht mehr kann, bezeichnest du und viele Ökonomen ihn als Verlierer. Darüber hinaus bezeichnest du jene als Verlierer und Opfer, die wegen dem Strukturwandel kurzfristig keinen Job mehr finden, oder nur einen schlechter bezahlten.

    Was sind sie denn wenn nicht Verlierer? Du fürchtest den Begriff, weil du ihn normativ verstehst. Du ziehst schon Schlussfolgerungen, mir geht es um eine Tatsachenfesstellung. Wie kann man also sonst bezeichnen?

    Ich sehe nicht ein, wieso Ökonomen einen derart gebrandmarkten Begriff wie Globalisierungsverlierer benutzen sollten oder wollten. Personen pauschal als Verlierer zu bezeichnen, dünkt mich recht merkwürdig.

    Nur weil es dir nicht gefällt oder du es dir nicht vorstellen kannst, ändert das gar nichts daran, dass es nunmal so ist. Das ist nun wirklich kein Argument.

    Wenn du bestimmte Personen als Verlierer bezeichnen willst, dann tu’ das. Ich lass’ meine Finger davon.

    Ist das so eine Art liberale Political Correctness? :-)

    Erstens, wie gesagt die unorthodoxe Behauptung kam von dir.

    Zweitens, ist es grundsätzlich gefährlich wenn man Tatsachen zu ignorieren versucht nur weil sie einem nicht in die eigene Weltanschauung passen. Besser ist es das eigene Weltbild daran zu schleifen und kohärenter zu gestalten.

  13. Benjamin B. says:

    Ich versuche keine Tatsache zu ignorieren, ich habe auch nie geleugnet, dass durch die Globalisierung und/oder die Handelsliberalisierung manche Personen bestimmte Privilegien verlieren und andere bestimmte Geschäfte nicht mehr abschliessen können, die zuvor womöglich ihre Haupteinkommensquelle waren.
    Aber wenn man das einzelne Tauschgeschäft ansieht, das getätigt wird, dann kann man über dieses sagen, dass beide Parteien davon profitieren. Denn täten sie es nicht, hätten sie nicht in diesen Handel eingewilligt. (Wo denke ich hier bitteschön in Aggregaten?) Wenn jedoch beide Parteien profitieren, dann kann man beide als Gewinner bezeichnen.

    Verlierer ist ein sachlicher, neutraler Begriff? Für meinen Geschmack impliziert er zu viel. Und nein, dass ist keine liberale P.C. ;-) Aber der Begriff ist zu schwammig, als dass man ihn für viel brauchen könnte. Z.B. kann bei einer Handelsliberalisierung jemand Gewinner und Verlierer zugleich sein, wenn er einen Handelspartner verliert und dafür einen neuen dazu gewinnt. Ist diese Person nun ein Verlierer oder ein Gewinner?

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