Egal ob Demokratie oder Monarchie, einen Staat schätzen wir immer nur dann, wenn uns die Herrschenden wohlgesonnen sind und das tun, was wir für moralisch richtig halten. Jedes etatistische System ist abhängig davon, dass “gute” Leute an den Schalthebeln der Macht sind. Jeder Bush-, Nixon-, Blocher-, Calmy-Rey- und Clinton-Gegner weiss, wie viel Unheil ein “schlechter” Präsident oder Bundesrat anrichten kann.
Schlechte Präsidenten sind also ein Grundproblem der Demokratie. Die Lösung, die uns Etatisten vorschlagen, besteht darin, gute Präsidenten zu wählen. Die Geschichte lernt uns, dass stets wieder grottenschlechte Politiker zum Staatsoberhaupt gewählt werden. In einer Demokratie zu leben und dieses System zu befürworten, bedeutet also auch, derartige Präsidenten zu akzeptieren. Die andere Möglichkeit ist, wenn man sich nicht mit Präsidenten wie Bush zufrieden geben möchte, auf den besseren Menschen zu warten, der keine kriegslüsterne, paranoide Politiker wählt. Doch ist das nicht ein wenig utopisch, ein wenig illusorisch?
Besonders, wenn man bedenkt, dass jene Leute, die Gefallen an all dieser Macht, dieser Kontrolle über andere Menschen, finden, vermutlich nicht die “good guys” sind. Denn wenn man eine Gesellschaft hat, in der es viele gute Leute hat und ein paar “bad guys”, die andere ausnutzen wollen und auch nicht vor Gewalt zurück schrecken, und nun ein System mit einem Gewaltmonopol kreiert, welches sicher stellen soll, dass der einfache Bürger (im Gegensatz zum Polizisten oder Soldaten) keine Gewalt anwendet, was werden die “bad guys” tun? Werden sie nicht versuchen, auf die Seite des Gewaltmonopols zu gelangen und werden sie, um dies zu erreichen, die Wähler nicht schamlos belügen?
Die anarchistische Lösung dieses Problems sieht so aus, dass man dem Staat so wenig Macht zugesteht, dass dieser diese nicht missbrauchen kann. Doch solange Macht vorhanden ist, kann man sicher sein, dass diese irgendwann einmal dazu benutzt wird, anderen Leuten Schaden zuzufügen. Das heisst, Machtmissbrauch kann nur ausgeschlossen werden, wenn keine Macht vorhanden ist. Entweder man nimmt den Machtmissbrauch hin und bleibt ein Befürworter der Demokratie oder man sucht nach anderen Lösungen.
