Keine Steuergelder für den Sport!

Der Staat tut gut daran, sich vermehrt mit dem Spitzensport zu beschäftigen. Die Stellung und die Bedeutung des Spitzensportes fordern dies.1

Nein, nicht die Bedeutung des Spitzensports fordert dies, sondern Müller höchstpersönlich. Und da dieser seinen Lohn aus Steuergeldern bezieht und zudem über einen Sportverein präsidiert, ist man geneigt zu glauben, dass auch persönliche Interessen bei seiner Forderung nach mehr Staatsgeld für den Sport mitspielen. Doch dies ist für die Diskussion seines Rufes nach mehr Staat nicht sonderlich wichtig, deshalb lege ich diesen Punkt wieder nieder.

Müller vergisst bereits in diesen ersten beiden Sätzen, dass eine bestimmte Sache für jeden Mensch eine andere Bedeutung hat. Für manche Menschen ist der Spitzensport in der Tat wichtig und bedeutungsvoll, andere Leute hingegen kümmern sich nicht darum.

Vielleicht will Müller aber auch nur aussagen, dass der Spitzensport für viele Leute eine hohe Bedeutung hat. Vielleicht. Diese Behauptung müsste er jedoch zuerst beweisen. Aber angenommen dies sei tatsächlich so, würde dies eine Staatsintervention rechtfertigen?

Nein, so wenig wie die Beliebtheit von Videogames, Nike Sneakers und Hamburger bedeutet, dass der Staat diese Bereiche mit Steuergeldern unterstützen sollte.

Im Sport soll sich der Staat primär um gute Rahmenbedingungen kümmern, die Bewegungskultur als Teil der Gesundheitsprävention fördern und sich am Prinzip der Subsidiarität orientieren. Während langer Zeit basierte die staatliche Sportpolitik in der Schweiz auf der Förderung von „Jugend und Sport“. In der modernen Gesellschaft ist jedoch der Spitzensport mit seiner Attraktivität und Vielfalt nebst einem neuen Gesundheitsbewusstsein zum zentralen Treiber im Sportsystem geworden – sowohl als aktive wie auch als passive Freizeitbeschäftigung. Daraus lassen sich neue Aufgaben ableiten, die der Staat bezüglich des Spitzensports wahrzunehmen hat, um Chancen zu ermöglichen aber auch zu nutzen.1

Wie die Förderung von Spitzensport (d.h. jener (Berufs-)Athleten, die an internationalen Wettkämpfen teilnehmen) der allgemeinen Bewegungskultur förderlich ist, ist mir schleierhaft und Müller liefert auch keine Begründung hierzu. Ebenso bleibt die Behauptung, der Spitzensport sei “zum zentralen Treiber im Sportsystem geworden”, unbewiesen.
Was die Gesundheitsprävention anbelangt: Spitzensport ist, soweit ich weiss, nicht besonders gesund. Berufsbedingte Verletzungen sind bei Profisportlern häufig. Ebenso gefährlich sind bestimmte Breitensportarten wie Skifahren, Fussball oder Tennis. Selbst Joggen kann zu unangenehmen Abnützungserscheinungen oder Zerrungen führen.

Somit ist die staatliche Spitzen- und auch die Breitensportförderung nichts weiter als reine Interessenspolitik. Statt dass die Profi- und Hobby-Sportler ihre Aktivitäten selber finanzieren, sei es aus dem eigenen Portemonnaie oder durch Sponsoren, möchten sie die Kosten auf die Allgemeinheit abwälzen. Ebenso haarsträubend ist es, wenn die Bürger Sportstadien und internationale Sportevents bezahlen müssen. Denn es darf schlicht und einfach nicht sein, dass die Steuerzahler die Freizeitvergnügungen von ein paar Sportfans subventionieren müssen.

Denn wenn der Fussballfan vom Staat eine EM “geschenkt” bekommt, dann hätte der Ägypten-Liebhaber auch eine Reise zu der Cheops-Pyramide zu Gute, der Gamer eine Spielkonsole, der Pianist ein Klavier usw. usf. Alles auf Staatskosten selbstverständlich.

Doch dies wäre Wahnwitz. Wer ein Hobby pflegt, der muss die anfallenden Kosten selber bezahlen. Er hat kein Recht, andere (mit Gewalt) dazu zu zwingen, ihn zu subventionieren.


  1. Hansruedi Müller – Ein stärkeres staatliches Engagement im Spitzensport ist notwendig / H. M. ist Professor an der Universität Bern, leitet das Forschungsinstitut für Freizeit und Tourismus (FIF) und ist der Präsident von Swiss Athletics. [] []
Author: Benjamin B. | Date: Wednesday, January 27th, 2010 | Category: Reaktionen | Tags: , , , , , , , | |

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