Der Prix Courage ist eine Auszeichnung, die Der Schweizerische Beobachter seit 1997 verleiht. Mit dem Preis möchte die Zeitschrift Persönlichkeiten würdigen und fördern, „die unerschrocken und mit Hingabe für eine Idee kämpfen – zugunsten einer offenen, solidarischen und gerechten Schweiz“.
Klingt gut. Auch ich bin für Gerechtigkeit, für eine offene Schweiz im Sinne einer Schweiz, in der die sozialen und wirtschaftlichen Freiheiten nicht beschränkt werden und für echte Solidarität (nicht sogenannte Zwangssolidarität). Wenn eine Zeitschrift Leute belohnen will, die sich für obige Ziele einsetzen, habe ich nichts dagegen.
In der Vergangenheit wurde der Prix Courage zwar an etliche Personen verliehen, die Zivilcourage gezeigt haben und ihr eigenes Leben riskiert haben, um das fremder Menschen zu retten. Aber daneben erhielten auch Individuen für Tätigkeiten den Preis, die mit den oben genannten Zielen nicht wirklich kompatibel zu sein scheinen. So z.B. Doris Vetsch und Anita Chaaban, die die Volksinitiative für eine “Lebenslange Verwahrung für nicht therapierbare, extrem gefährliche Sexual- und Gewaltstraftäter” lanciert haben.
Eine Initiative, der man als Liberaler aus zwei Hauptgründen nicht zustimmen kann: Einerseits darf man daran zweifeln, ob es überhaupt Leute gibt, die nicht therapierbar sind und die sich nicht bessern können. Andererseits ist unser Rechtssystem nicht das Beste und auch an der Forensik und der Psychologie gibt es etliches zu kritisieren. Dies bedeutet, die Gefahr, dass Unschuldige verwahrt werden, ist grösser, als einem lieb sein sollte.
Für den diesjährigen Prix Courage sind ein paar sehr tapfere und bewundernswerte Leute nominiert. Z.B. der Autist Marc Hofmann, der sich zwischen ein Pärchen und eine Schlägerbande gestellt hat. Oder Remo Knechtle, der zwei Senioren vor dem Ertrinken gerettet hat.
Unter den Nominierten ist aber auch Saïda Keller-Messahli, die “trotz Todesdrohungen für einen toleranten Islam” und für ein Burkaverbot kämpft . Man fragt sich, was nationale Kleidervorschriften mit einer offenen Schweiz zu tun haben. Gibt es denn keine Schweizer, die ebenfalls für einen toleranteren Islam kämpfen, sich durch Todesdrohungen nicht einschüchtern lassen, aber niemandem die Freiheit nehmen wollen, sich so zu kleiden, wie es ihnen beliebt?
Die merkwürdigste Nomination ist die von Joachim Maire, der 2003 mit über 2 Promille Blutalkohol und zu hoher Geschwindigkeit einen Unfall verursacht hatte. Seine Freundin kam dabei ums Leben. Nun betreibt Maire “in der Raserszene Präventionsarbeit und unterstützt die Raser-Initiative”.
Es ist zwar positiv, dass Maire etwas aus dem Unfall gelernt hat, doch das ändert nichts daran, dass er seine Freundin getötet hat. Hat der Beobachter keine Leute gefunden, die sich für sichere Strassen einsetzen, aber niemanden getötet haben? Sollten Leute, die den Tod unschuldiger Menschen verursacht haben, überhaupt Preise erhalten? Wieso ist jemand, der eine derartige Ungerechtigkeit verursacht hat wie Maire überhaupt für einen Preis nominiert, der Engagement für eine gerechte Schweiz auszeichnen soll?
Dann stellt sich auch die Frage, ob die Raserinitative überhaupt das richtige Mittel ist, um Unfälle auf der Strasse zu verhindern. Walter Block zum Beispiel kämpft zwar auch für sicherere Strassen, doch er sieht die Ursache in den vielen Toten nicht in zu hohen Promillegrenzen oder zu leichten Strafen für Raser. Block sieht das Problem darin, dass der Betreiber der Strassen keine Anreize haben, für mehr Sicherheit zu sorgen. Denn die Strassen gehören einem Monopolisten: Dem Staat nämlich. Doch anders als dies bei Unternehmern der Fall wäre, verliert kein Beamter Geld, wenn es zu Strassenunfällen kommt. Würden die Strassen privatisiert, hätten die Betreiber Anreize, die Strassen so sicher wie möglich zu machen und sie könnten auch ausprobieren, welche Regeln (bezügl. Alkohol, Mobiltelefone, Raser) die Strassen am sichersten machen. Ziemlich rasch würden sich so jene Unternehmer und jene Regeln durchsetzen, die die Strassen nicht nur sicher, sondern auch schnell und staufrei machen.
Doch vermutlich erwarte ich zu viel von einer Zeitschrift, die den Sozialstaat für eine solidarische Institution zu halten scheint, die von Steuersündern spricht, finanziellen Datenschutz für unwichtig hält und Konsumentenschutz manchmal mit der Bevormundung der Konsumenten verwechselt. Obwohl: Kürzlich wurde der Sozialstaatskritiker und Gründer von Avalon, Daniel Model, im Beobachter porträtiert. Dies zwar eher oberflächlich, aber dafür mit einem recht positiven Grundton.