Pornographie im Sexualkundeunterricht und die Legalisierung der harten Pornographie

Aus einer Stellungnahme von männer.ch, dem Dachverband der Schweizer Männer- und Väterorganisationen, vom letzten Herbst, die in diesen Tagen Schlagzeilen gemacht hat, weil manche Journalisten sie falsch interpretiert haben:

männer.ch fordert deshalb, im Rahmen der vorliegenden StGBRevision
den Art. 197 StGB dahingehend zu lockern (oder die Auslegung des geltenden Rechts ggf. dahingehend zu klären), dass Eltern und geschulte Fachleute sich nicht strafbar machen, wenn sie mit klarem pädagogischem Ziel innerhalb eines sorgfältig gewählten und klar definierten Settings pornografische Darbietungen unter 16Jährigen zugänglich machen. Dabei muss in jedem Fall das Selbstbestimmungsrecht der Kinder und Jugendlichen gewahrt werden, so dass sie nicht wider ihren Willen mit pornografischem Material konfrontiert werden.

Auf diese Weise soll eine sorgfältige Sexualerziehung und ‐bildung möglich werden, die dem Umstand Rechnung trägt, dass pornografische Inhalte heute in hohem Mass verfügbar sind und daher im Rahmen von Aufklärung und Prävention auch thematisiert werden müssen.

Ist es eigentlich legal, Kindern und Jugendlichen explizite Gewaltdarstellungen zu zeigen oder zugänglich zu machen? Das geschieht ja doch relativ oft, durch Zeitungen und Zeitschriften, aber auch im Schulunterricht.

So oder so stellen sich noch weitere Fragen: Etwa, ob die Unterscheidung zwischen Pornographie und Literatur sinnvoll ist und gesetzlich verankert sein sollte. Aber auch, ob es Zensur darstellt, wenn bestimmten Altersgruppen der Zugang zu bestimmten Medienerzeugnissen untersagt wird. Wie weit also Artikel 161 und Artikel 172 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft auch für Minderjährige gelten.3 Oder vielleicht sollte man die Autonomie, die Schüler im Hinblick auf die Sexualkunde haben, auf andere Bereiche ausdehnen, so dass die Kinder und Jugendlichen nicht wider ihren Willen mit gewissem nicht-pornographischem Material konfrontiert werden oder an gewissen Aktivitäten nicht teilnehmen müssen?

Wir fordern konkret u.a.
• Die vollständige obligationenrechtliche Anerkennung sexueller Dienstleistungen
• Die vollständige sozialversicherungsrechtliche Anerkennung sexueller Dienstleistenden
• Den konsequenten Verzicht auf moralisch‐ästhetische Kriterien bei der strafrechtlichen Bemessung, was «harte Pornografie» ist (d.h. Aufhebung des Verbots von Darstellungen menschlicher Ausscheidungen und einvernehmlicher sadomasochistischer Praktiken)
• Die Erhebung einer zweckgebundenen besonderen Verbrauchssteuer (Art. 131 BV) auf pornografische Erzeugnisse (analog Alkoholzehntel)
• Gemeinsam mit den Kantonen und Gemeinden Anstrengungen zur Entwicklung eines Gütesiegels für «faire Prostitution».

Das BDSM-Darstellungsverbot ist in der Tat merkwürdig. (Konsensuale) Gewalt selber darf durchaus dargestellt werden. In der Form von Boxkämpfen wird sie sogar vom Staat, oder mindestens von den staatlichen Medien, subventioniert. Kommt aber ein direkter sexueller Aspekt hinzu, wird die Sache plötzlich illegal. Das scheint ein Überbleibsel aus jenen puritanischen Zeiten zu sein, in denen abweichende Sexualakte generell verboten waren.

Die rechtliche Anerkennung der sexuellen Dienstleistungen wäre insbesondere für die Sexarbeitenden wichtig, aber auch für deren Kunden. Wer die Sexarbeit entstigmatisieren möchte, sollte dies befürworten.

Das staatliche Gütesiegel für ‘faire Prostitution’ hingegen ist heikel, denn damit müssten (feministische, katholische oder andere) Gegner der Prostitution die Sexarbeit zwar nicht direkt mitfinanzieren, aber doch Steuern für etwas zahlen, das sie vehement ablehnen.

Die Pornographiesteuer wiederum schneidet sich mit der Redefreiheit, der Medienfreiheit und der Kunstfreiheit. Denn die Medienfreiheit wird nicht nur dort beschränkt, wo bestimmte Aussagen (etwa blasphemische, kommunistische oder rassistische) verboten und beispielsweise mit Freiheitsentzug bestraft werden, sondern auch dort, wo bestimmte Medienerzeugnisse nur erschwert produziert werden können oder nur erschwert zugänglich sind (etwa wenn Pornographie speziell besteuert wird, bestimmte Videospiele nur unter der Theke verkauft werden dürfen oder man eine Lizenz braucht, um eine Zeitung vertreiben zu dürfen).


  1. Meinungs- und Informationsfreiheit: “Jede Person hat das Recht, Informationen frei zu empfangen, aus allgemein zugänglichen Quellen zu beschaffen und zu verbreiten.” []
  2. Medienfreiheit: “Die Freiheit von Presse, Radio und Fernsehen sowie anderer Formen der öffentlichen fernmeldetechnischen Verbreitung von Darbietungen und Informationen ist gewährleistet.” []
  3. Artikel 11: Schutz der Kinder und Jugendlichen:
    1 Kinder und Jugendliche haben Anspruch auf besonderen Schutz ihrer Unversehrtheit und auf Förderung ihrer Entwicklung.
    2 Sie üben ihre Rechte im Rahmen ihrer Urteilsfähigkeit aus. []

2 thoughts on “Pornographie im Sexualkundeunterricht und die Legalisierung der harten Pornographie”

  1. Dennoch sollte man die Kinder über Pornographie aufklären, bevor es in einer Pornosucht o.ä. endet. Es müssen lediglich geeignete Methoden gefunden werden, die den gewünschten Zweck erzielen. Auf http://harri-wettstein.de/pornoforschung/ wird nach derartigen Methoden gesucht und ich hoffe, dass sie bald umgesetzt werden.

    1. Dennoch sollte man die Kinder über Pornographie aufklären, bevor es in einer Pornosucht o.ä. endet. Es müssen lediglich geeignete Methoden gefunden werden, die den gewünschten Zweck erzielen. Auf http://harri-wettstein.de/pornoforschung/ wird nach derartigen Methoden gesucht und ich hoffe, dass sie bald umgesetzt werden.

      Mir scheinen die Prämissen hier ziemlich zweifelhaft und voreingenommen zu sein.

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