
Sexismus pur: Mit Bildern wie diesen werden Millionen von Frauen beleidigt, gedemütigt und unterdrückt.
Weil Gamer im Spiel «Dead or Alive: Dimensions» minderjährigen Kämpferinnen unter den Rock schauen können, fordern Experten einen Verkaufsstopp.
In Schweden, Dänemark und Norwegen kam das Spiel wegen Verdacht auf Kinderpornographie gar nicht erst in die Läden. In der Schweiz dagegen kann das Kampfsport-Game seit dem 20. Mai problemlos gekauft werden. Doch unter Experten und Politikern macht sich Unmut breit: Stein des Anstosses ist ein spezieller Fotomodus, der den Gamern Nahansichten erlaubt – auch unter die Röcke der laut Spielbeschrieb erst 16- und 17-jährigen, knapp bekleideten Hauptfiguren kann gezoomt werden.
Absolut unhaltbar findet das Roland Näf, Gründer der Vereinigung gegen mediale Gewalt.1
Vereinigung gegen mediale Gewalt? Ist die Abbildung von Gewalt etwa selber Gewalt? Ist der Begriff ‘virtuelle Gewalt’ nicht ein wenig paradox?
Davon abgesehen darf selbstverständlich darüber gesprochen werden, ob zwischen Buchdeckeln und auf Leinwänden nicht zu viele Morde begangen werden. Möglicherweise lässt sich auch eine Korrelation zwischen ‘gelesenen Thrillern und Krimis’ und ‘Aggressivität’ feststellen. Wie es jedoch mit der Kausalität steht, ist eine gänzlich andere Frage. Ebenso müsste untersucht werden, ob der mögliche Effekt, den der Konsum ‘medialer Gewalt’ auf das menschliche Gemüt hat, nicht durch andere Einflussgrössen2 stark übertroffen wird. Einflussgrössen, die sich vielleicht einfacher, günstiger und liberaler beeinflussen lassen. Denn bloss weil etwas möglicherweise einen kleinen negativen Einfluss hat, bedeutet dies noch lange nicht, dass ein Verbot gerechtfertigt ist.
Er fordert einen «unverzüglichen Verkaufsstopp dieses sexistischen Games». Weiter moniert Näf, dass es in der Schweiz «kaum Rechtsmittel gegen Gewalt und Sexismus in Spielen» gebe.1
Sexistisch? Bloss weil in Dead or Alive: Dimensions für den Nintendo 3DS teilweise leicht bekleidete junge, aber vollkommen virtuelle Frauen auftauchen, die man aus viele verschiedenen Blickwinkeln fotografieren kann, ist das Game sexistisch?
Was ist daran sexistisch? Sind leicht bekleidete Frauen sexistisch? Sind Fotos von leicht bekleideten Frauen sexistisch? Ist es sexistisch, dass diese Frauen in etwa dem gegenwärtigen3 Schönheitsideal entsprechen, also ungefähr die Masse 90-60-90 haben? Ist es sexistisch, dass attraktive virtuelle Frauen in das Game einprogrammiert wurden, weil es sich dadurch besser verkaufen lässt, als wenn die Frauen hässlich wären? Ist es sexistisch, dass Menschen lieber schöne Menschen anschauen als hässliche?
Auch Frédéric Arneberg, Vertriebsleiter von Gameswelt Schweiz, hält ein Verbot für prüfenswert. «Dass Nintendo das Alter der Kämpferinnen so tief angesetzt hat, halten wir für sehr ungeschickt.» Julia Gerber-Rüegg kritisiert, dass «mit der Sexualisierung Minderjähriger Geschäfte gemacht werden». Die Co-Präsidentin der SP-Frauen plädiert für die Schaffung einer Ombudsstelle.1
Ja, das war ungeschickt. Nintendo, Team Ninja (der Developer) und Tecmo Koei (der Publisher) hätten sich eine Menge Ärger ersparen können, wenn sie die Zahlen 16 und 17 durch die Zahlen 20 und 21 ersetzt hätten. Andererseits muss man sich fragen, ob sie diese Probleme überhaupt vorhersehen hätten können. Schliesslich hat die unsägliche Geschichte nicht so begonnen, wie man das vielleicht meinen könnte, wenn man bloss die hiesigen Pressemeldungen liest:
The case stems from a forum poster who noticed that three Dead or Alive: Dimensions characters – Kasumi, Koroke and Ayane – violated Swedish law by being under 18 and in a pornographic situation. The pornographic situation in this case being the Figure Mode, where the posing girls can be photographed from every angle.
The author of the report had no intention of outlawing the game. The aim instead was to highlight why the child pornography law should be changed. The author took his report evidence to the police who dismissed it as “lacking” in evidence. Underage girls in thongs, the police concluded, do not equate to porn.4
An diesem Beispiel ist deutlich zu sehen, wie eine Handlung das komplette Gegenteil von dem verursachen kann, was eigentlich beabsichtigt war: Der Forum Poster hat nicht bewirkt, dass die schwedischen Kinderpornographiegesetze geändert werden, sondern dass das Game offiziell nicht auf den nordischen Markt gebracht wird.
- 20min – Verkaufsstopp Für Kampf-Game gefordert [↩] [↩] [↩]
- Z.B. gewalttätiges Elternhaus, genetische oder hormonelle Einflüsse, schlechtes schulisches Umfeld (Mobbing durch Mitschüler und Lehrer), War on Drugs [↩]
- vielleicht auch biologisch-genetisch bedingten [↩]
- eurogamer – Nordic Dead or Alive release ruined [↩]
“Nintendo, Team Ninja (der Developer) und Tecmo Koei (der Publisher) hätten sich eine Menge Ärger ersparen können, wenn sie die Zahlen 16 und 17 durch die Zahlen 20 und 21 ersetzt hätten.”
Der Gedanke lässt sich noch viel weiter spinnen. Da es sich um virtuelle Frauen handelt, kann der Hersteller jede Menge willkürliche Änderung vornehmen. Er könnte vorgeben dass es sich um Elfen handelt, die schon 500 Jahre alt sind, oder Wesen, die schon mit 5 ihre sexuelle Selbstbestimmung erreichen. Letztlich zeigen diese Überlegungen, dass es keinen Sinn macht den Begriff minderjährig auf virtuelle Personen anzuwenden. Denn minderjährig bezieht sich auf eine mangelnde persönliche Entwicklung, hier liegt jedoch nichts vor, dass sich entwickeln könnte.
Genau. In virtuellen Welten ist alles möglich. Da kann man sich eine Spezies ausdenken, die aussieht wie homo sapiens, aber bloss 10 Jahre alt wird und ihre Mündigkeit und Maturität mit 18 Monaten erreicht. Oder geist- und gefühlslose Roboter, die ausschauen wie Menschen. Oder Mischwesen, wie man sie aus der griechischen Mythologie kennt, bei denen tierische und menschliche Merkmale vermischt werden. Gelten bei denen dann die Regeln für Abbildungen von Menschen oder die Regeln für Abbildungen von Tieren? Wie steht es mit Elfen? Gelten die als Menschen?
Näf will “böse” Games grundsätzlich verbieten. Interessant waren die Zusammenhänge zur VPM-Sekte, welche damals auf Telepolis aufgedeckt wurden (http://www.heise.de/tp/artikel/32/32238/1.html).
Die eidg. Räte sind im Bezug auf die “bösen Kilerspiele” leider bereits auf ihn und weitere Moralapostel (Alleman, Hochreutener) reingefallen. Zensurverbot hin oder her – Computerspiele sind ja ein neues Medium und deshalb an sich schon suspekt.
“Kinderpornografisch” ist das Spiel überigens in der Schweiz keinesfalls. “Kinderpornografie” i.S.v. Art. 197 Abs. 3bis StGB ist nicht “Pornografie mit nicht Volljährigen”, sondern Pornografie deren vorsätzliche Herstellung in der Schweiz nach Art. 187 StGB strafbar wäre – was nur bei unter 16-jährigen (Schutzalter) der Fall sein kann.
Interessant. Ich hätte eher auf eine Nähe zum Evangelikalismus und radikalen Christen getippt, aber manchmal täuscht man sich halt.
Ah ja? Hast du nähere Informationen dazu?
Haben die kollektivistischen Dumpfbacken schon die Schweiz erreicht oder ist die Schweiz ein Tollhaus für Puritaner? Bilder wohlproportionierter Weiblichkeit sagen nichts über Frauen allgemein aus, sowie Bilder besonders hässlicher Frauen nichts über Frauen allgemein aussagen.
Ich finde diese Bilder schön. Sex gehört zum Leben. Die Evolution hat Frauen äusserliche Merkmale gegeben, die sie für Männer attraktiv machen. Das darf auch gezeigt werden, egal was Moralisten, Feministen, Frömmler und Taliban denken. Folglich werde ich mich auf allen Fronten gegen ein Verbot solcher Bilder einsetzen. Dass Schweden und Norwegen prüde sozialistische Länder sind, ist seit längerem Bekannt, sie sind kein vorbild für die liberale Schweiz.
Im Vergleich zu Nordkorea ist die Schweiz noch liberal, das stimmt auch wieder. Aber der Weg in die Knechtschaft wird in Siebenmeilenstiefeln beschritten.
Du hast bei dir drüben auch die schöneren Bilder veröffentlicht als ich hier. Ich habe einfach das genommen, das bei allen Presseberichten dabei war. War wohl ein Fehler.
Richtig so. Im Vergleich zu so manchem, was unter Kultur und Kunst läuft und Steuergelder erhält, ist ‘Dead or Alive’ ästhetisch eh überragend.
Die Schweiz hat eine relativ grosse Portion Puritanismus abgekriegt. Nicht zuletzt wegen Leuten wie Zwingli und Calvin, deren Erbe in jüngster Zeit feministische, ökologistische und kommunistische Gruppierungen angetreten haben.
Wieso manche Feministinnen Bilder wohlproportionierter Weiblichkeit nicht mögen, ist allerdings auch kein grosses Rätsel.
Z.B. BGE 131 IV 64 ab S. 74, http://www.bger.ch/index/juridiction/jurisdiction-inherit-template/jurisdiction-recht/jurisdiction-recht-leitentscheide1954.htm
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