1. Gewalt ist Teil der Menschheit. Mag man heute auch noch so erschrecken, wenn irgendwo jemand von ein paar Jugendlichen beinahe zu Tode geprügelt wird, früher wurde genauso freudig geprügelt. Auch Gottfried Keller war ein Raufbold. Die Jugend ist heute nicht gewalttätiger als früher, der Rest der Gesellschaft ebenso wenig1 . Gewalt wird höchstens anders wahrgenommen. Negativer vielleicht (was ein gutes Zeichen wäre).
2. Zwischen sinnloser und sinnvoller Gewalt zu unterscheiden (und das wird impliziert, wenn man z.B. das Verprügeln eines zufällig ausgewählten Menschen als sinnlose Gewalt bezeichnet), ist eine im besten Falle absurde, meist aber sehr bedenkliche Angelegenheit. Denn beginnt man mit diesen Begriffen zu jonglieren, vergisst man leicht, dass jegliche initiierte Gewalt illegitim ist.
Auch wird damit verschleiert, dass der Sinn einer bestimmten Aktion stets nur subjektiv zu betrachten und zu bewerten ist. Ein Amoklauf oder Happy Slapping macht denn für den oder die Täter auch durchaus Sinn. Wenn nicht, hätten sie die Tat wohl kaum begangen.
3. Die Antwort auf Gewalt(taten) kann bloss eine libertäre sein. Zu versuchen, tödliche Gewaltausbrüche mit institutionalisierter, ständiger Gewalt zu bekämpfen, wäre ein allzu paradoxes Unterfangen. Selbst wenn man die Morde etwas verringern könnte, hätte man bloss aus der punktuellen Gewalt eine Konstante geschaffen, die jeden einzelnen Menschen der betreffenden Gesellschaft während jeder einzelnen Sekunde seines Lebens betrifft.
Und das wäre sehr kontraproduktiv.
- Ali Arbia – Sinnlose Gewalt ist kein neues Phänomen [↩]

Und wie würde man libertär darauf reagieren?
Indem man nicht nach dem Staat, nicht nach Verboten und Regulierung ruft, sondern gewaltlos bleibt.
Ich bin deiner Meinung, wenn du damit meinst, dass Überwachung & Datenschutzspeicherung “zur Sicherheit” freiheitsfeindlich ist (“Wer die Sicherheit der Freiheit vozieht, ist zu Recht ein Sklave”).
Bist du aber auch gegen jegliche Strafe? – Ich persönlich glaube ja nicht, dass der Knast einem Verbrecher helfen kann, sich zu ändern, er entfremdet diesen nur noch mehr von der Gesellschaft. Die eingeführten Geldstrafen sind daher humaner.
Dennoch beruhen auch sie auf dem Prinzip Angst, es gibt nicht unbedingt Reue, oder nur eine solche, wie sie Foka in Camus’ “Les Justes” an den Tag legt: “Bien sûr, vingt ans, c’est cher. Ça vous laisse des regrets.” Bereut wird nur die Strafe, nicht die Tat.
Idiotisch-sadistische Täter wie diesen sollte man, glaube ich, zuvorderst einmal mit ihren Opfern / deren Angehörigen konfrontieren. Nicht, dass die dann Selbstjustiz ausüben, nein, nur, dass die Folgen gesehen von den blinden Tätern eingesehen werden.
Ich glaube, der öffentliche Konsens für die Unterscheidung zwischen “sinnvoller” und “sinnloser” Gewalt ist, dass Gewalt, die ein Ziel erreichen will, also quasi rationell geplant wurde (Banküberfall, Raubüberfall), “sinnvoll” ist, während Gewalt “zum Spass”, die spontan entsteht, auch kein Ziel hat und sich nicht um die Folgen schert (ein Bankräuber / ein Erpresser / selbst ein Mörder überlegen, wie sie ihre Spuren verwischen können. Unseren Landesgenossen war es allerdings schnurzpiepegal).
Nicht zu vergessen natürlich revolutionäre Gewalt (was uns wieder zu Camus führen würde).
Ah, ich scheine mich missverständlich ausgedrückt zu haben. Ich wollte sagen, dass man keine Gewalt initiieren soll (Schusswaffen-, Videogameverbote etc.), Gewalt als Selbstwehr (wozu man Strafe zählen kann) ist absolut in Ordnung.
Illegitim sind Strafen überhaupt nicht, ich finde bloss den Aspekt der Wiedergutmachung wichtiger als die Rache. Der Täter soll das Opfer oder deren Angehörige also unbedingt entschädigen.
Gefängnis bringt die Täter weder auf die rechte Bahn, noch schreckt es potentielle Täter wirklich ab, noch kann man die Täter damit zu Reue zwingen. (Man kann sie dazu zwingen, Reue zu zeigen, nicht aber, sie zu empfinden.)
Ich weiss nicht, ob man die Täter mit den Opfern konfrontieren sollte. Wenn es die Opfer wünschen, okay. Aber viele Opfer möchten den Täter vermutlich nie mehr sehen.
Was die “sinnlose”/”sinnvolle” Gewalt anbelangt, resp. die Definition davon, hast du Recht. Mir als Opfer wäre es allerdings vollkommen egal, ob mir jemand zwei Dutzend Knochen gebrochen hätte, weil er Freude an der Gewalt gehabt hatte oder um an mein Portemonnaie zu kommen.