Sokrates sagte nicht ‘ich weiss, dass ich nichts weiss‘, sondern ‘ich weiss als Nicht-Wissender’, resp. ‘ich weiss, dass ich nicht weiss’. Ein subtiler, aber nicht unwichtiger Unterschied.1
In jeder Version dieses Spruchs scheint jedoch ein Selbstwiderspruch zu stecken: Denn wie kann man wissen, wenn man ja nicht(s) weiss?
Meines Erachtens ist es ein Fehler, sich zu sehr auf das kleine ‘s’ zu fokussieren und den Spruch allzu wortwörtlich aufzufassen. Ich sehe Aristoteles Aussage viel mehr als Ausdruck eines tiefen, vielleicht allumfassenden Zweifels, gar als Schrei der Verzweiflung: “Wie kann ich wissen, dass das, was ich zu wissen glaube, auch tatsächlich weiss und nicht nur glaube?”
Das ist für mich der Kern des Skeptizismus: Der Gedanke, dass Wissen vorläufig und unsicher ist und dass man sich nie sicher sein kann, ob man eine ewige, absolute Wahrheit gefunden hat oder ob es so etwas überhaupt gibt oder geben kann.
- Dieser Post wurde inspiriert von Norbert Lennartz – Von der Logik zur Wissenschaft [↩]

Für Nobbert Lennartz ist Skeptizismus der Zweifel an der Logik in allen Varianten: http://www.apriorist.de/modx/blog/-logik-191.html?PHPSESSID=d55f97cfefa5f1670cdd148c73dfbdb5&quip_approved=1#qcom248
Somit würde der Skeptizismus sich selbst widerlegen. Benutzt Nobby hier bereits einen Strohmann?
Das ist merkwürdig. Skeptizismus impliziert eigentlich weder eine Ablehnung, noch eine Akzeptanz der Logik. Es geht also nicht um Zweifel an der Logik, oder gar einen übertriebenen Zweifel daran, sondern um Zweifel daran, dass man etwas mit Sicherheit wissen könne.
In dem Artikel geht es scheinbar eher um Empirismus vs. Rationalismus. Wobei der Empirismus aber nicht grundsätzlich Logik ablehnt. Am ehesten richtet sich der Artikel gegen einen extremen Empirismus, wie er von manchen Leuten vertreten wird, die behaupten, dass nur die Wissenschaft gültige Erkenntnisse produzieren kann. Dies wäre tatsächlich eine selbstwidersprüchliche Behauptung, da die Behauptung ja eben eine philosophische ist und keine naturwissenschaftliche. Anders gesagt, es wird versucht, mit der Philosophie zu zeigen, dass die Philosophie nutzlos ist.
Aber was das mit dem Skeptizismus zu tun haben soll, weiss ich wirklich nicht.
Viele Liberale sind zu Recht Skeptiker. In der Politik führt dies leider oft zu Nullentscheiden. So ist die FDP für mich die Partei des “Soo nicht”. Wir müssen uns aber in der Politik (und auch im Privatleben) aufgrund der diversen Unsicherheiten von Politikfolgen oft zum Prinzip “trial and error” durchringen, um Probleme konstruktiv anzugehen.
Gibt es Bücher die den Skeptizismus mit diesem Grundsatz als Kern Erläutern ?
Ich wüsste jetzt gerade keines. Aber hier sind ein paar Links, die von Interesse sein könnten:
Philosophical skepticism
Brain in a vat
Münchhausen Trilemma
Model-dependent realism
Anti-realism
Das Brain in a vat kannte ich noch nicht, sehr interessant.
Was mich schon länger beschäftigt ist die Frage ob man Religös und Skeptizist sein kann. Ich denke schon, solange es Subjektiv bleibt und man den Glauben nicht als Wahr oder reell beweißen möchte, ist es Prinzipiell vereinbar.
Das würde ich auch sagen. Man kann ja religiös sein und sehr grosse Zweifel haben.
Der Skeptizist muss doch selbst ein Dogmatiker sein, denn er behauptet, dass es kein Kriterium für die Zuverlässigkeit einer behaupteten Wahrheitserkenntnis gebe. In dem Fall ist der mathematische Beweis, die Geometrie; Mises Lehre und jede reine Tautologie ein Spuk. Die apriorische Erkenntnis besteht aber auf der reinen Anwendung der Logik. Dieses Wissen ist garantiert wahr, weil man sich lediglich auf die logischen Gesetze verlässt. Der Skeptiker muss also auch die Logik selbst anzweifeln und damit ist seine eigene Dogmatik ebenfalls hinfällig.