Diskrimination: Novartis entlässt einen Mitarbeiter, bloss weil dieser eine andere politische Gesinnung hat
So oder so ähnlich hätte die Schlagzeile wohl gelautet, wenn dieser Mitarbeiter ein Gewerkschaftler oder ein Sozialist gewesen wäre. (Oder noch schlimmer: Hätte seine Haut eine andere Pigmentierung gehabt als die Haut des Durchschnittsschweizer. Oder wäre kürzlich aus Glaubensgründen nach Mekka gepilgert.) Doch dieser Fall ist anders:
Der Präsident der Pnos-Sektion Baselland und Basel-Stadt, Philippe Eglin (21), verliert seine Stelle als Logistiker bei Novartis. Eglin bezweifelt im Internet den Holocaust und steht der deutschen NPD nahe.
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All dies ist der Novartis nun Grund genug, Eglin zu entlassen. «Wegen Unvereinbarkeit der Novartis-Ethik und den öffentlich vorgebrachten politischen Ansichten von Philippe Eglin plant Novartis, das Arbeitsverhältnis mit ihm aufzulösen», bestätigt Mediensprecher Satoshi Sugimoto auf Anfrage der BaZ. Als global tätiges Unternehmen in über 140 Ländern sei für Novartis Weltoffenheit und Respekt für den Menschen wichtig. «Dies bedeutet, dass wir Diskriminierungen aufgrund von Rasse, Geschlecht oder Religionszugehörigkeit nicht tolerieren.» Die Novartis hat einen Verhaltenskodex, der alle Mitarbeiter zu einem hohen ethischen Standard verpflichtet. Dieser Kodex ist laut Sugimoto Teil des Arbeitsvertrags.1
Wenn jemand keine Rassisten in seinem Unternehmen will, dann kann ich einerseits den Unternehmer gut verstehen, andererseits muss es jedem Unternehmer frei stehen, die Personen anzustellen, die nach seinem Gusto sind. Welche Kriterien er zur Selektion der Mitarbeiter anwendet, ist allein seine Angelegenheit. (Einem Unternehmer vorzuschreiben, mit welchen Leuten er Arbeitsverträge abschliesst, ist demzufolge illegitim.)
Worauf ich meinen Finger legen will, das ist die Doppelmoral vieler Journalisten und Politiker. Während sie es zu anderen Zeiten für eine Schande halten, wenn ein Arbeitnehmer wegen seiner weltanschaulichen Gesinnung entlassen wird, dürften diese Personen bei diesem Fall stumm bleiben oder die Entlassung gar begrüssen. Doch müssten nicht für Kommunisten wie Nazis, für Sozialdemokraten wie Nationalisten dieselben Rechte gelten?
Es wird den Anti-Rassisten wohl schwer fallen, zuzugeben, dass die von ihnen so heiss geliebten Arbeitsgesetze zweischneidig sind und den sogenannten Kampf gegen den Rassismus nicht nur fördern, sondern auch behindern können.
Ich will es mir aber auch nicht nehmen lassen, darauf aufmerksam zu machen, dass der freie Markt das beste (und einzig friedliche) Mittel gegen Rassismus (und Sexismus und …) darstellt: Das Unternehmen, das erfolgreich sein will, kann es sich schlicht nicht leisten, gute Mitarbeiter bloss wegen deren Pigmentierung nicht einzustellen. Denn im freien Wettbewerb hat jene Firma einen Vorteil, die die besten Mitarbeiter hat. (Z.B. überdurchschnittlich produktive, kreative Mitarbeiter.) Ebenso kann es sich ein weit bekanntes Unternehmen in einer anti- oder unrassistischen Gesellschaft erlauben, berühmte und berüchtigte Rassisten zu beschäftigen. Denn dies könnte dem Ruf der Firma schaden.
Doch auf einen freien Arbeitsmarkt müssen wir noch lange warten. Zu gerne wird der Staat benutzt, um bestimmte Ideologien oder Wertvorstellung anderen Menschen aufzuzwingen.
- Tages-Anzeiger – Novartis kündigt bekanntem Neonazi [↩]
