Über die Abschaffung der Kirchensteuer

Jeder Mensch kann in der Schweiz frei wählen, ob er die Kirchensteuer bezahlen möchte oder nicht.1

Falsch! In den meisten Kantonen zahlen auch juristische Personen Kirchensteuer. Unternehmer können somit nicht frei wählen, ob sie die Kirchensteuer zahlen möchten. Selbst ein Unternehmen, das aus lauter Atheisten besteht, muss somit eine Kirchensteuer entrichten. Ebenso werden im Kanton Bern auf Lottogewinne Kirchensteuern erhoben.2

Dazu scheint es ein Ausdruck der Parteilichkeit zu sein, wenn der Staat für bestimmte private Vereine deren Mitgliederbeiträge eintreibt, für andere hingegen nicht. Der Staat treibt so zum Beispiel die Clubgebühren für die römisch-katholische Kirche ein, nicht aber die für die Freidenker-Vereinigung Schweiz. Indem der Staat ein paar ausgewählten Kirchen diese Aufgabe abnimmt, subventioniert er diese Kirchen in jenem Masse. Der Staat ist so also nicht weltanschaulich neutral, sondern unterstützt gezielt ein paar bestimmte Glaubensrichtungen.

Das nicht alle Menschen Kirchensteuer zahlen möchten, weil sie keiner Konfession angehören, ist zu respektieren. Anstatt der Abschaffung der Kirchensteuer fordere ich die Atheisten und kirchenfernen auf, Ihren Gesellschaftsbeitrag ebenfalls zu leisten. Atheisten oder konfessionslose Menschen, die keine Kirchensteuer zahlen, sollen einen Beitrag an eine soziale Institution ihrer Wahl entrichten. Dieser Beitrag soll analog der Kirchensteuer bei der Steuererklärung angegeben werden können.1

Lassen wir die Atheisten (und Buddhisten und Bahá’i und Animalisten und Wiccas und…) doch einfach selber entscheiden, wie diese ihren “Gesellschaftsbeitrag” (was auch immer der Herr Oberbeck darunter versteht) leisten wollen. Vielleicht leisten sie (monetär nicht gemessene) Freiwilligenarbeit, betreiben eifrig und fleissig Aufklärung (über HIV, Influenza, die Evolution, Medizin) oder unterstützen andere Organisationen, die nicht offiziell als “gemeinnützig” anerkannt werden.

Gleiches Recht und gleiche Pflicht für alle, zum Wohle der Solidarität in unserer Gesellschaft!1

Gleiches Recht für alle, dazu gehört aber auch, dass der Staat entweder für alle privaten Vereine oder für keinen einzigen die Clubbeiträge eintreibt. Entweder also die Abschaffung die Kirchensteuer oder die Einführung einer Schachclub- und Paintballvereinsteuer!

  1. Simon Oberbeck, Präsident der Jungen CVP – “Ja zur Atheistensteuer!” [] [] []
  2. Wikpedia – Kirchensteuer (Schweiz) []

“Atheist Bus Campaign” kommt in die Schweiz, Theisten wimmern schon wieder

Manchmal macht die Frontlinie der Theisten einen recht weinerlichen, beinahe schon Emohaften Eindruck auf mich. Während ein Atheist den höllenheissen Hass von Evangelikalen und Islamisten ertragen muss (neben religiös motivierten Kriegen, Morden und Massakern (mitten in Europa), neben faschistoiden, antisemitischem, misogynistischen, xenophoben, tyrannischen, genozidalen Heiligen Schriften, neben dem Vorwurf, gefühlskalt, herzlos, unmoralisch und bösartig zu sein), geraten manche Theisten schon ausser sich, wenn die schweizerischen Freidenker Plakate mit der Aufschrift «Wahrscheinlich gibt es keinen Gott. Kein Grund zur Sorge – geniess das Leben» an Bussen montieren wollen123.

Sprecher verschiedener Verkehrsbetriebe fallen in dieses Lamento ein. Die Sprecherin der VBZ sagte etwa: «Die Fahrgäste könnten sich gestört fühlen», die von Bernmobil: «Wir wollen bei dieser Provokation nicht mitmachen»4. Wenigstens sagt der Direktor der Verkehrsbetriebe Luzern: «Die Plakate sollten kein Problem sein. Wir sind ein liberales und offenes Unternehmen.». Die christliche Agentur C, die Plakate kreiert, auf denen unbedingter Gehorsam gefordert und unhaltbare Versprechungen gemacht werden, droht gar implizit mit göttlicher Gewalt: «Jeder soll seine Meinung sagen können. Aber: Die Diskussion ist nicht harmlos. Gott wird sich irgendwann einschalten.»5. Das erzürnt mich nicht nur als Atheisten, sondern auch als Anarchokapitalisten. Während ich jegliche Initiierung von Gewalt als ekelhaft empfinde, gibt es bei manchen Gläubigen die Tendenz, höllische Gewalt sogar zu wünschen und jedem, der nicht ihren Glauben teilt, damit zu drohen.

Aber: Es ist schön, zu sehen, dass nun auch die Atheisten, Skeptiker und Freidenker in die Propagandaschlacht ziehen. Wer dabei helfen will, dem steht es frei, zu spenden1.

  1. Atheist Bus Campaign Schweiz [] []
  2. andreas kyriacou – Die «Atheist Bus Campaign» kommt in die Schweiz []
  3. varia & eventualia – “Atheist Bus Campaign” in der Schweiz []
  4. andreas kyriacou – Aufstand der Zwinglianer []
  5. 20min – Verkehrsbetriebe wollen keine Atheismus-Plakate []

Wie es sich so als Ungläubiger lebt

Ein geläufige, aber falsche Vorstellung, dass Ungläubige weniger glücklich wären als Gläubige, resp. dass ein Atheist und Skeptiker mehr und häufiger Angst verspüren würde als ein Christ, Hindu oder Jude.

Au contraire, es lässt sich – für mich jedenfalls – viel besser leben, da ich nicht ein Partikel in den astrologischen Gezeiten bin, kein Spielball des ominösen Schicksals. Ich sehe nicht hinter jedem Baum Geister, die mir eventuell Böses könnten. Keine schwarze Katze erschreckt mich, selbst der gestrige Freitag der Dreizehnte liess mich kalt. Ich erzittere nicht vor Zahlen, vor schlechten Horoskopen, vor bösen Blicken. Ich kann auch ein Mobiltelefon in der Hand halten, ohne gleich einen Tumor in mir wachsen zu sehen. Auf eine Autofahrt sehe ich nicht gleich eine verwüstete und trostlose Erde entstehen. Ich kann spätabends durch die Gassen einer beliebigen Stadt laufen und kann mich höchstens vor Mördern und Räubern fürchten, nicht aber vor Voodoo, Radioantennen, Geistern, CO2, Bankiers, Al Qaida, AIDS-Spritzen im Kinosessel, giftigen Spinnen in der Packung Südfrüchte, schmutzigen Filmen und Fluchwörtern, Zahlen, Plattenfugen, Teufeln und sonstigen Dämonen.

Der einzige potentielle Nachteil, den ein gottloses Leben haben kann, scheint mir der Mangel an Himmeln, Leben nach dem Tod und Schutzengeln. Ohne letzteres fühlt man sich in einer Grossstadt eventuell etwas unsicherer. Jedoch ist zu beachten, dass das aus dem Glaube an etwas komplett Unbewiesenes wie Schutzengel entstehende Unverwundbarkeitsgefühl falsche Sicherheit bieten kann, so dass man sich unvorsichtig verhält und gerade dadurch Opfer eines Angriffs wird. Dazu tendiert man im Falle von “Glück im Unglück” seinem Schutzengel für die Rettung zu danken, statt dem wahren menschlichen Helden, der einem in einem Akt der Zivilcourage gerettet hat.
Der buddhistische Glaube an Wiedergeburten hat einen äusserst schlechten Beigeschmack. Einerseits ein gnadenloser Anthropozentrismus, andererseits ist das Leben auf Erden auch nicht für alle derart gut und schön, dass ich das Risiko eingehen möchte, als irgendjemanden wiedergeboren zu werden.
Zum Himmel und dem ewigen Leben: Voraussetzung dafür wäre, dass das Quantum an Glücksmomenten so hoch wie möglich und die Menge an Tragödien in einem solchen Verhältnis gehalten werden, dass es immer noch herausragend schöne Momente gibt, aber ich mich nicht tagtäglich mit Unannehmlichkeiten herumschlagen muss. Allerdings scheint es mir schlicht unmöglich zu sein, irgendeine Beschäftigung zu finden, die ich eine Ewigkeit (und merke: Eine Ewigkeit sind nicht ein paar tausend Jahre, selbst Billionen von Jahren sind nur ein Vorgeschmack auf die Ewigkeit.) ausüben möchte, ohne dass sich eine gewisse Routine und Langeweile einspielt. Nein, da möchte ich lieber jung sterben.
Darüber hinaus scheint es mir recht pervers zu sein, einen Himmel parallel zum irdischen Dasein zu erdenken. Wenn es schon einen Himmel gibt, wieso noch diese Qualen und Tragödien auf der Erde? Ich könnte nicht ruhigen Gewissens im Himmel hocken, während “unter” mir Menschen dahinsiechen und elendiglich verrecken.

Gewiss, objektiv gesehen ist das Leben sinnlos. Das eröffnet jedoch die Möglichkeit, seinem Leben den Sinn zu verpassen, den man will. Das ist wahre Eigenständigkeit. Hätte Gott für mich einen Weg vorausbestimmt, so wäre ich nicht frei, sondern bloss Marionette. Dazu: Wenn ich schon unfrei sein muss, dann lieber Sklave meiner Gene und der Umwelt, lieber Servant eines physikalischen Determinismus als Laufbursche einer Person, Sklave eines Gottes.
Hätte das Leben einen objektiven Sinn, so müsste auch jede Tragödie ihren Sinn haben. Doch es ist eine recht traurige Ansicht, Genoziden und Massakern an Zweijährigen irgendeinen Sinn zuzusprechen. Erdbeben, Hurricanes, Blitzschläge lassen sich alle leichter ertragen, wenn sie das Produkt physikalischer Gesetze sind, denn Teil irgendeines göttlichen Planes. Denn das wäre wahrhaft ein scheusslicher Gott, der Tsunamis aus wohldefinierten Gründen über die Erde schickt.

Ein Wort zum Schluss: Zwar halte ich Deismus für ebenso kurios wie den Glauben an das unsichtbare, pinkfarbene Einhorn und die Teetasse zwischen Merkur und Venus, aber als Deist – würde ich meinen – lebt es sich nahezu gleich wie als Atheist. Denn ob nun irgendwo im Hintergrund ein Gott hockt, der gleich nach dem Urknall die Finger vom Universum gelassen hat oder nicht, ist nicht einerlei, aber doch irgendwo wieder egal.

Merry nothing!

Merry nothing!

hat tip to po8

Wir sind alle Atheisten

We are all atheists about most of the gods that societies have ever believed in. Some of us just go one god further.

~ Richard Dawkins (The Root Of All Evil?)

Fanatische Atheisten?

Then there’s the problem on the other side — among the atheists such as Richard Dawkins who have been labelled “fanatics.” Now, it is absolutely true that Dawkins’ tone is often as charming as fingernails dragged slowly down a chalkboard. But just what is the core of Dawkins’ radical message?

Well, it goes something like this: If you claim that something is true, I will examine the evidence which supports your claim; if you have no evidence, I will not accept that what you say is true and I will think you a foolish and gullible person for believing it so.

That’s it. That’s the whole, crazy, fanatical package.1

  1. Dan Gardner – Those fanatical atheists []

Atheisten…

Niemand tötet für eine Sache, an die er nicht glaubt.
~ sapere aude

Denkende Menschen…

Alle denkenden Menschen sind Atheisten.
~ Ernest Hemingway