Ein Mann fragt:
Nach einigen Sommern an verschiedenen Naturistenstränden im In- und Ausland frage ich mich, weshalb in der Schweiz so viele Frauen wie kleine Mädchen aussehen wollen.
Was könnte er damit meinen? In welcher Hinsicht sehen Frauen wie kleine Mädchen aus? Und ist das überhaupt ihre Absicht?
Lesen wir also weiter:
Dass Männer ihre Schamhaare abrasieren, kann ich begreifen: Der Penis sieht dann etwas länger aus. Aber eine Frau ohne Schamhaare ist ja wohl nur für einen Pädophilen ein erfreulicher Anblick. Oder muss hier, wie bei der Beschneidung, die Hygiene herhalten?
Das ist ein non sequitur. Das eine folgt schlicht nicht aus dem andern. D.h. bloss weil ein Merkmal auch bei Kindern auftritt (oder vorwiegend bei Kindern zu sehen ist), heisst das nicht, dass der Anblick dieses Merkmals nur für Pädophile erfreulich ist. Zudem irritiert der Sexismus: Wenn eine Frau ohne Schamhaare nur für Pädophile ein erfreulicher Anblick ist, dann sollte das bei einem Mann nicht anders sein (auch wenn diese das Rasieren als visuelle Trickserei rechtfertigen können).
Bettina Weber antwortet:
Ich wusste nicht, dass sich auch Naturistinnen derart um ihre Körperbehaarung kümmern; ich dachte, die seien mehr so eins mit der Natur und würden es demnach wild wuchern lassen, aber so kann man sich täuschen.
Die eigenen Vorurteile in der Presse auszubreiten, mag ja ehrlich sein, ist aber doch etwas stillos und macht bisweilen den Eindruck, dass man eben doch nichts gelernt hat.
Mir gefällt der Trend mit dieser Komplettrasiererei auch nicht. Ich bin zwar vehement gegen all jene Haare, die sich nicht auf dem Kopf befinden, ich befürworte das Stutzen der Schamhaare sogar unbedingt, weil so ein krauses Gestrüpp ja auch irgendwie unappetitlich wirkt, aber das mit dieser Radikalvariante leuchtet mir nicht ein. Weil: Dergestalt zurechtgemacht sieht eine erwachsene Frau aus wie ein Mädchen. Und das ist schlecht, ganz schlecht.
Mich dünkt das fürchterlich inkonsequent (Und wieso wird wieder nur über die Frauen gesprochen? Gelten für die Schamhaare der Männer andere Regeln?). Wenn Haarlosigkeit an der einen Stelle bedeutet, dass eine Person wie ein Kind aussieht, wieso ist das dann nicht der Fall, wenn eine andere Körperregion haarlos ist? D.h. wieso sieht eine Frau ohne Schamhaare aus wie ein Mädchen, aber ohne Beinhaare, ohne Armhaare, ohne Oberkörperhaare oder ohne Achselhaare nicht? Und wie steht es um die Haupthaare? Sind Glatzen schlecht, ganz schlecht, da die Kopfhaarlosen wie Kinder aussehen? Darf man eine Person, die sich den Kopf rasiert hat, sexy finden? Darf man gar den glatten Schädel selber erfreulich finden?
Sehen Männer, die sich die Barthaare rasieren, nicht wie Buben aus? Sollten sie vielleicht den Bart wachsen lassen?
Doch lassen wir die Haare für einen Moment stehen und wenden uns anderen Merkmalen zu. Den grossen Augen beispielsweise, die zum Kindchenschema gehören? Bei Frauen ist es üblich, dass sie ihre Augen visuell vergrössern, ist das nicht kritikwürdig?
Wie sieht es mit Brust und Hinterteil aus? Was ist mit Frauen, die kleine Brüste und kleine Hintern haben? Ist das schlecht, ganz schlecht? Dürfen diese Frauen begehrt werden? Darf man sie sexuell attraktiv finden? Oder müssen sie sich zu Keuschheit verpflichten?
Es irritiert mich so sehr, weil mich die Herkunft dieser neuen Ästhetik fragwürdig dünkt: Zu verantworten hat diesen Trend ganz eindeutig die Pornoindustrie. Und aussehen zu wollen wie eine Pornodarstellerin, finde ich jetzt nicht so gut. Weder aus stilistischer noch aus feministischer Sicht.
Das zeugt von einer historischen und kulturellen Engstirnigkeit. Schamhaarentfernung ist nicht neu und nicht begrenzt auf die vom Porno-Chic beeinflusste westliche Gesellschaft.
So oder so sollte sich die Ästhetik an ewigen Werten orientieren und nicht einen bestimmten Stil verwerfen, bloss weil er temporär mit etwas Unliebsamen assoziiert war. L’art pour l’art halt und keine politisierte Ästhetik.
Ob es aus feministischer Sicht noch irgendeine akzeptable Art der Körpergestaltung geben kann, ist eine andere Frage. Beispielsweise scheint der derzeitige Feminismus züchtige wie auch freizügige Bekleidung abzulehnen.
Ich meine: Was soll das für eine Frau sein, die obenrum pneumatisch ist, untenrum aber wie eine Fünfjährige daherkommt? Das ist in höchstem Masse bizarr.
Wenn ein Mann untenrum behaart ist, aber obenrum wie ein Einjähriger daherkommt, ist das nicht schlecht, ganz schlecht und weniger bizarr?
Und deshalb plädiere ich dafür, dass sich Frauen diesem Trend verweigern. Es reicht ja, einfach ein wenig für eine Frisur zu sorgen da in der Schamgegend, also durchaus energisch zu stutzen, aber eben nicht total. Lemmy Kilmister von Motörhead jedenfalls erklärte unlängst in einem Interview, er bevorzuge Frauen mit einem sogenannten Landing Strip, also einem schmalen Streifen Haar. Und wenn der das sagt, dann will das doch was heissen.
Ja, sich nach dem Geschmack eines weissen, reichen, heterosexuellen Mannes mit sehr hohem Status zu richten (oder dessen Präferenzen zumindest für sehr bedeutungsvoll zu halten), klingt sehr feministisch. Ebenso feministisch wie den Frauen vorschreiben zu wollen, wie sie ihren Körper gestalten zu haben.