Kirchen oder Freiheit für Misogynisten

Du hast einen hundsgewöhnlichen Job zu vergeben und bist kein Stripclubbesitzer. Wie wählst du die richtige Person aus?
a) Du schaust, wer am besten dafür qualifiziert ist.
b) Du lehnst Bewerbungen von Frauen im Vornherein ab und gehst danach so vor wie bei a) beschrieben.

Würde man eine derartige Umfrage machen, so hoffe ich, dass die meisten Personen Antwort a) wählen würden. Ansonsten müsste man sie des Kollektivismus bezichtigen. Katholische Bischöfe sind gar dazu verpflichtet, Antwort b) zu wählen. Zumindest wenn der zu vergebende Job das Pfarramt darstellt.

Spräche man die Leitung der katholische Kirche darauf ein, würde sie vermutlich mit Bibelzitaten und irgendwelchen alten innerkirchlichen Bestimmungen antworten. Akzeptierte man jedoch diese Antwort, so müsste man jedem eine Ausnahme von den Antidiskriminierungsgesetzen gewähren, der seinen Antrag mit einem genügend alten Buch oder mehrere Jahrhunderte alten Gesetzestexten (im weitesten Sinne des Wortes) begründen kann. Würde lediglich eine theologische Begründung genügen (was vermutlich der Fall ist), so könnte rein theoretisch jeder seiner Unternehmung einen religiösen Untergrund verpassen, um so die Antidiskriminierungsgesetze zu umschiffen.

Die katholische Kirche (und mit ihr viele andere Kirchen und Sekten) untergräbt diese Gesetze nicht nur, sie führt das ganze Konzept ad absurdum. Denn diese Gesetze sind darauf angewiesen, dass Ausnahmen nur zugelassen werden, wenn eine objektive Notwendigkeit besteht, Vertreter eines bestimmten Geschlechtes anzustellen. Was zum Beispiel in Stripclubs der Fall ist.

Doch die Kirche kann ihre Behauptung, dass Frauen nicht Pfarrer werden können, so wenig mit Fakten untermauern wie die Kirche des FSM ihre Auffassung, dass für das Sekretariat nur Frauen mit Körbchengrösse D in Frage kommen. Das heisst, die Aussage, dass Frauen fürs Pfarramt ungeeignet seien, weil dies vor etlichen Jahrhunderten ein paar Leute bestimmt hätten, die von Geistern besessen wären vom Heiligen Geist inspiriert worden seien, gleichwertig mit der Begründung, man wolle keine Frauen einstellen, weil man sich in deren Nähe “unwohl” fühle.

Entweder muss man also die römisch-katholische Kirche dazu zwingen, Frauen ins Pfarramt zu heben, oder man streicht die Antidiskriminierungsgesetze und gibt dem Arbeitgeber die volle Kontrolle über seine Eigentum zurück, was bedeutete, dass er nach völlig willkürlichen und beliebigen Massstäben Leute einstellen kann. (Womit er allerdings eine Vielzahl gut qualifizierter Arbeitskräfte ignorieren und somit einen Nachteil im Vergleich zur nicht diskriminierenden Konkurrenz in Kauf nehmen würde. Was diesen Arbeitgeber langfristig marginalisieren würde.) Allerdings müsste die Kirche dazu vollkommen privatisiert werden. D.h. Abschaffen der Kirchensteuer für juristische Personen und Abschaffen der Erhebung und des Eintreibens dieser Steuer durch den Staat, kein konfessioneller Religionsunterricht an öffentlichen Schulen, keine Steuererleichterungen, Verbot von finanziellen Leistungen aus der öffentlichen Hand an die Kirche, keine Seelsorge an staatlichen Einrichtungen, keine konfessionellen Fakultäten an öffentlichen Universitäten.

Voraussichtlich wird aber weder der erste, noch der zweite Fall eintreten, so dass die Antidiskriminierungsgesetze nicht konsequent angewendet werden können und die Eidgenossenschaft eine offen sexistische Vereinigung finanziell und administrativ unterstützt.

Bayerische Atheisten bezahlen dem Bischof sein Sonntagsfilet

Die Forderung der bayerischen Grünen nach einem Ende der Bezahlung der Bischöfe aus Steuergeldern hat bei der CSU für helle Empörung gesorgt. “Der Vorstoß der Grünen offenbart eine kirchenfeindliche Gesinnung und zielt auf eine Entchristianisierung Bayerns”, sagte CSU-Generalsekretärin Christine Haderthauer am Freitag in München.
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Beckstein erwiderte: “Nach dem verheerenden Beschluss des Landtagswahlprogramms der Grünen zur Entfernung von Kruzifixen und Ordenstracht aus den Schulen ist das ein weiterer frontaler Angriff auf die christliche Leitkultur und die gläubigen Christen in unserem Land.” Die Grünen machten sich gegen das Kopftuchverbot an Schulen und für die Einführung muslimischer Feiertage stark, während sie zugleich “die bewährten Beziehungen zwischen Staat und Kirche beschädigen” wollten.
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Der Freistaat steckt nach Angaben des Kultusministeriums pro Jahr 60 Millionen Euro in die Mitfinanzierung von kirchlichem Personal und Dienstleistungen. Allein zehn Millionen Euro davon werden direkt für die Bezahlung der Bischöfe verwendet. 37,5 Millionen Euro erhalten die Kirchen für Personalkosten von Seelsorgern, etwa in der Jugendarbeit.1

Ich kenne die Grünen in Bayern nicht, wahrscheinlich würde ich sie nicht mögen. Die Grünen haben zwar ein paar gute Ansatzpunkte, doch hinter all ihren Lösungsversuchen steckt häufig Hysterie und Etatismus. Aber wem Lob gebührt, den soll man loben. Und die Grünen haben ganz Recht, aus Bayern einen säuklaren Staat zu machen. Ich kann nicht für die Grünen sprechen, aber ich unterstütze die Entchristianisierung Bayerns – Bayerns, nicht der Bayern, diesen steht es frei, zu glauben, auch wenn ich darüber die Nase rümpfe. – mit vollem Herzen.

Ein Atheist fühlt sich ebenso drangsaliert und unfrei in Bayern wie ein Christ, der in einem Land mit “muslimischer Leitkultur” dem Imam das sonntägliche Lachsfilet bezahlen muss.

  1. zeit – Kirchenpolitik: CSU warnt vor Entchristianisierung Bayerns / via jan []

Zombie-Jesus und Paraden

In Torledo, einer schnuckeligen Stadt in Spanien, veranstalteten ein paar Leute einen Umzug. Ähnlich Karneval und Fastnacht. Bloss, sie waren verkleidet als Geister, Teufel und Zombies.

Wer jetzt denkt, ein paar Mütter hätten Angst, dass sich ihre Kinder erschrecken würden, liegt falsch.
Es ist der Erzbischof Antonio Canizares, dem der Umzug missfällt. Blasphemie sei er, und würde die Auferstehung Christi ins Lächerliche ziehen.

Archbishop Antonio Canizares said the procession, which also included a Virgin Mary and a Saint Peter, made a mockery of the Catholic celebration of Corpus Christi.1

Natürlich, jetzt sind wieder religiöse Gefühle verletzt. Aber das kommt halt davon, wenn man den Leuten verbieten will, andere Zombies als Jesus anzubeten, oder schon gar nur darzustellen. Doch jetzt, im einundzwanzigsten Jahrhundert hat die Kirche halt ihr Monopol auf wandelnde Tote verloren.

  1. norwich bulletin – Religion News: Church decries zombie parade []

Steuerbefreiung der Kirche und andere Wirrnisse

Kirchen sind in der Schweiz steuerbefreit, jedenfalls bis zu einem gewissen Grade. Vermutlich sind kleine Glaubensgemeinschaften nicht steuerbefreit – Scientology wohl eher nicht, obwohl es genauso eine religiöse Gruppierung darstellt wie die katholische Kirche. Aber wer alt und etabliert ist, der geniesst halt gewisse Vorrechte, auch wenn sich diese weder begründen lassen, noch irgendeinen Sinn machen würden.

Gemeinnützige Organisationen von den Steuern zu befreien, ist vermutlich eine gute Sache. Doch eine Religionsgemeinschaft ist bloss eine Gruppe Leute, die an denselben Gott – oder an dieselben Aliens – glauben. Sicherlich macht man denen einen Gefallen, wenn sie keine Steuern zahlen müssen. Doch um Gefälligkeiten sollte es nicht gehen. Wenn diese oder jene Kirche einen gemeinnützigen Arm hat, dann kann man diesen von den Steuern befreien, nicht aber der ganze unheimliche Apparat dahinter. Insbesondere, da sich die katholische Kirche nicht über Geldmangel beklagen muss. Der Papst und seine weissesten Schäfchen jedenfalls nicht. So war es, und so ist es immer noch.

Dann könnte man noch die Frage anschneiden, wieso für die Kirche mancherorts (in diesem Fall Australien) nicht dieselben Bedingungen gelten wie für ein beliebiges anderes Unternehmen. Oder könnte die UBS (oder ein grösseres australisches Unternehmen) ihren Angestellten vorschreiben, wie sie ihr Leben zu führen haben? Nein. Das gäbe einen (inter)nationalen Aufschrei, und allerhand Leute würden wieder gegen diese bösen Neoliberalen fluchen – ohne zu merken, dass die so beliebte moralische Instanz namens Kirche mit ihren Angestellten verfahren darf, wie sie gerade will. Ohne Proteste. “Weil das ist halt deren Glaube und so.” Wie wäre es – bloss so als kleiner Wachrüttler – wenn eine bekannte Unternehmung sich irgendeinem Aberglauben (inklusive strenger Moral und scharfer Sittengesetze) unterordnen würde, und Angestellte freistellen würde, wenn diese einen Fehltritt wagten?

Mit anderen Worten:

Some may even be thinking at this time that having to pay taxes would be a form of discrimination against religious organisations. But how is it discrimination if they have to simply follow the same rules and laws as everyone else? Businesses have to pay tax; citizens have to pay tax and so on. Yet religious organisations have somehow achieved a privileged status, one which does not create any clear tangible benefit for society (such as charitable or educational groups create).1

  1. Matt’s Notepad – So what is the problem with religious beliefs? []

Ethische Wanderdünen, Stammzellen und Erzbischöfe

Je nachdem, wie man’s betrachtet, sind Leute, die keinen Sex haben, Massenmördern. Man bedenke nur all die potentiellen Menschen, denen man die Chance nimmt, zu leben. All die kleinen Spermien und Eizellen, die nie ihre Bestimmung, neues Leben zu erschaffen, erfüllen können. Wir grässlich.

Denn wie gross ist der Unterschied zwischen Eizelle und Spermium in zwei verschiedenen Körpern, oder beide im selben, verschmolzen und schon ein paar Teilungen durchlaufen?

Kürzlich hat sich ja der Deutsche Bundestag für eine Ausweitung der Forschung an embryonalen Stammzellen ausgesprochen. Schockierend findet das der katholische Erzbischof von Köln, Kardinal Joachim Meisner.

Die katholische Kirche werde nicht resignieren, sondern umso stärker für den “Schutz des menschlichen Lebens in allen seinen Phasen” eintreten, betonte Meisner. Er habe den Eindruck, außer der katholischen Kirche tue dies kaum noch eine Institution in Deutschland. Als Embryonen für die Forschung freigegeben worden seien, habe er schon gesagt, dass damit eine “ethische Wanderdüne” freigesetzt werde. Das habe sich nun bestätigt.1

Wie gesagt, sexuelle Enthaltsamkeit ist Mord. Wann begreift dies endlich jemand?

Als “Missachtung der elementaren Menschenrechte” hat der Augsburger Bischof Walter Mixa den Berliner Stammzellen-Beschluss bezeichnet. Deutschland hätte es gut angestanden, mit einem strengen Verbot für die Forschung mit embryonalen Stammzellen international ein Zeichen für den Schutz des menschlichen Lebens zu setzen. “Wenn menschliches Leben zu therapeutischen Zwecken getötet wird, wenn Menschen getötet werden, um andere Menschen zu heilen, sind wir einer totalen Unmenschlichkeit und damit der Barbarei näher als wir denken”, sagte Mixa: “Wir brauchen in Deutschland neue Mehrheiten für das Leben”.1

Natürlich, einen Zellhaufen zu zerstören, damit man Menschenleben retten kann, das ist barbarisch. Vielleicht sollten wir auch Strassenverkehrsopfer einfach so am Strassenrand liegen lassen. Man will ja nicht den göttlichen Plan durchkreuzen, oder? Gott kann die Leute ja selber retten, wenn er will.

  1. brightsblog – Herr Meisner und die Stammzelle [] []