Ihr Speichellecker der Despoten

Teile von eigentümlich frei scheinen dem Papst zuzujubeln12, der die Exkommunikation von Antisemiten rückgängig gemacht hat und selber antijüdische Tendenzen pflegt. Beklatschen einen misogynistischen, antisemitischen und despotischen Gott. Kann jemand, der an solch einen Gott glaubt, sich ernsthaft libertär schimpfen? Ist es möglich, auf irdischer Ebene die Einhaltung des Nichtaggressionsprinzip zu fordern, eine metaphysische Gewaltherrschaft aber zu begrüssen?

Ist nicht der Gott der meisten Leute ein Despot? Ist nicht die Hölle das metaphysische Pendant zum geladenen Revolver, der uns der Staat an den Kopf hält, damit wir gehorchen? Scheinen nur mir jene Leute etwas zwiespältig zu sein, die Steuern für unmoralisch halten, weil sie nur mit der Androhung von Gewalt durchgesetzt werden können, zugleich aber die Androhung von ewigen Torturen, wenn wir uns nicht an einen ganz bestimmten Verhaltenskodex halten, für gut und richtig halten?

Nein, ich greife (noch) nicht jene an, die an einen Gott glauben, der Mörder mit einem Aufenthalt in der Hölle bestraft (Ein Mörder hat ja immerhin das Nichtaggressionsprinzip selber schon verletzt.), sondern jene, die der Vorstellung sind, Homosexuelle, Juden und Atheisten kämen in die Hölle. Ein derartiger Gott wäre nichts als ein ekelhafter Despot. Und der Glaube und die Hingabe an einen Gewaltherrscher erzürnen meine moralischen Gefühle aufs Äusserste.

Addendum: Ach, es erscheint mir, dass ein jeder strafender Gott das Nichtaggressionsprinzip verletzen würde, ist doch die einzig moralische Art von Gewalt die Selbstverteidigung. Es nenne mir denn jemand eine Art von Strafe, die nicht die Initiierung von Gewalt beinhaltet!

  1. ef – Die Piusbrüder, Richard Williamson und die politische Korrektheit: Auf Papst Benedikt XVI. wird gezielt []
  2. ef – Omnia instaurare in Christo: Die Exkommunikation der Tradition ist beendet []

Offenes Bekenntnis zur Indoktrination und zur Theokratie

§ 18 Abs. 2 des Oberösterreichischen Kinderbetreuungsgesetzes:
In jeder Kinderbetreuungseinrichtung sind für jede Gruppe ein Gruppenraum und die erforderlichen Nebenräume einzurichten. Jede Kinderbetreuungseinrichtung ist mit den zur Erfüllung ihrer Aufgabe erforderlichen Bildungsmitteln sowie mit einer geeigneten Außenspielfläche auszustatten. Sofern die Mehrheit der Kinder einer Kinderbetreuungseinrichtung einem christlichen Religionsbekenntnis angehört, ist in jedem Gruppenraum ein Kreuz anzubringen1

So beliebt scheint der Laizismus in Österreich nicht zu sein, wenn selbst Gesetzestexte eine derart religiöse und kollektivistische Färbung haben. Kein Wunder will die ÖVP die konkrete Umsetzung dieses Gesetzes nun erzwingen. Mir scheint, manche dieser gutdemokratischen Parteien weisen eine gewisse Affinität zu religiöser Indoktrination auf. Oder aus welchem anderen Grund sollte man Kreuze in Kindergärten aufhängen, wenn nicht in der Hoffnung, die Seelen dieser Kindchen zu retten? Mir scheint auch, viele Bürger scheinen diese theokratischen Allüren gar nicht zu stören.

  1. the flowers are gone – Was haben Kreuze in Kindergärten verloren? []

Kirchen oder Freiheit für Misogynisten

Du hast einen hundsgewöhnlichen Job zu vergeben und bist kein Stripclubbesitzer. Wie wählst du die richtige Person aus?
a) Du schaust, wer am besten dafür qualifiziert ist.
b) Du lehnst Bewerbungen von Frauen im Vornherein ab und gehst danach so vor wie bei a) beschrieben.

Würde man eine derartige Umfrage machen, so hoffe ich, dass die meisten Personen Antwort a) wählen würden. Ansonsten müsste man sie des Kollektivismus bezichtigen. Katholische Bischöfe sind gar dazu verpflichtet, Antwort b) zu wählen. Zumindest wenn der zu vergebende Job das Pfarramt darstellt.

Spräche man die Leitung der katholische Kirche darauf ein, würde sie vermutlich mit Bibelzitaten und irgendwelchen alten innerkirchlichen Bestimmungen antworten. Akzeptierte man jedoch diese Antwort, so müsste man jedem eine Ausnahme von den Antidiskriminierungsgesetzen gewähren, der seinen Antrag mit einem genügend alten Buch oder mehrere Jahrhunderte alten Gesetzestexten (im weitesten Sinne des Wortes) begründen kann. Würde lediglich eine theologische Begründung genügen (was vermutlich der Fall ist), so könnte rein theoretisch jeder seiner Unternehmung einen religiösen Untergrund verpassen, um so die Antidiskriminierungsgesetze zu umschiffen.

Die katholische Kirche (und mit ihr viele andere Kirchen und Sekten) untergräbt diese Gesetze nicht nur, sie führt das ganze Konzept ad absurdum. Denn diese Gesetze sind darauf angewiesen, dass Ausnahmen nur zugelassen werden, wenn eine objektive Notwendigkeit besteht, Vertreter eines bestimmten Geschlechtes anzustellen. Was zum Beispiel in Stripclubs der Fall ist.

Doch die Kirche kann ihre Behauptung, dass Frauen nicht Pfarrer werden können, so wenig mit Fakten untermauern wie die Kirche des FSM ihre Auffassung, dass für das Sekretariat nur Frauen mit Körbchengrösse D in Frage kommen. Das heisst, die Aussage, dass Frauen fürs Pfarramt ungeeignet seien, weil dies vor etlichen Jahrhunderten ein paar Leute bestimmt hätten, die von Geistern besessen wären vom Heiligen Geist inspiriert worden seien, gleichwertig mit der Begründung, man wolle keine Frauen einstellen, weil man sich in deren Nähe “unwohl” fühle.

Entweder muss man also die römisch-katholische Kirche dazu zwingen, Frauen ins Pfarramt zu heben, oder man streicht die Antidiskriminierungsgesetze und gibt dem Arbeitgeber die volle Kontrolle über seine Eigentum zurück, was bedeutete, dass er nach völlig willkürlichen und beliebigen Massstäben Leute einstellen kann. (Womit er allerdings eine Vielzahl gut qualifizierter Arbeitskräfte ignorieren und somit einen Nachteil im Vergleich zur nicht diskriminierenden Konkurrenz in Kauf nehmen würde. Was diesen Arbeitgeber langfristig marginalisieren würde.) Allerdings müsste die Kirche dazu vollkommen privatisiert werden. D.h. Abschaffen der Kirchensteuer für juristische Personen und Abschaffen der Erhebung und des Eintreibens dieser Steuer durch den Staat, kein konfessioneller Religionsunterricht an öffentlichen Schulen, keine Steuererleichterungen, Verbot von finanziellen Leistungen aus der öffentlichen Hand an die Kirche, keine Seelsorge an staatlichen Einrichtungen, keine konfessionellen Fakultäten an öffentlichen Universitäten.

Voraussichtlich wird aber weder der erste, noch der zweite Fall eintreten, so dass die Antidiskriminierungsgesetze nicht konsequent angewendet werden können und die Eidgenossenschaft eine offen sexistische Vereinigung finanziell und administrativ unterstützt.

War Jesus gut?

Jesus, Symbol der Christen und der Pazifisten. Wird gelobt wegen seiner Friedfertigkeit und Gerechtigkeit. Seinen Wundertaten. Ob es ihn tatsächlich gab, ist selbst für Historiker schwierig zu beantworten. Doch das spielt keine Rolle. Man kann auch Märchenfiguren bewundern. Wer freut sich schon nicht über die guten Taten von Clark Kent, alias Superman?

Bloss, Superman tat nie Unrecht. Jesus schon.

- Er kam nicht, um Frieden zu bringen, sondern Zwist und Trennung. (Matthäus 10:34, Lukas 12:49-53)
- Er befahl seinen Schäfchen alle, die eines anderen Glaubens waren, zu ermorden. (Lukas 19:27)
- Auch gegen Diebstahl hatte er nichts einzuwenden, stachelte sein Gefolge sogar dazu an. (Matthäus 21:1–3)
- Seine Eltern zu hassen, wird von ihm ausdrücklich erwünscht. (Lukas 14:26)
- Nicht nur Vater und Mutter soll man verstossen, auch seine Kinder. Ausnahmslos. (Lukas 18:28–30)
- Jesus war ein ausgemachter Speziesist. Trotz göttlicher Abstammung hatte er keine Ahnung von Genetik oder Evolution (Gut, sonst hätte er sich ja nicht kreuzigen lassen müssen. Oder welche Erbsünde hätte er ausmerzen wollen? Die von Aminosäuren?). Dämonen, die zwei Menschen besessen hatten, bannte er in eine Herde unschuldiger süsser kleiner Schweinchen, die daran verreckten. Der Eigner der Schweine erhielt natürlich auch nie eine Entschädigung. (Matthäus 8:28–32)

Quelle: What is a Good Righteous Person? von Rochelle Weiss

PZ Myers’s Great Desecration

Es ist vollbracht, PZ Myers ist der Hostie gegenüber getreten und hat sie mit tiefer Verachtung bestraft. Aber was verlier’ ich noch Worte, hier sind ein paar Ausschnitte aus seinem Blogeintrag:

I think if I were truly evil, I would have to demand that all of my acolytes be celibate, but would turn a blind eye to any sexual depravities they might commit. If I wanted to be an evil hypocrite, I’d drape myself in expensive jeweled robes and live in an ornate palace while telling all my followers that poverty is a virtue. If I wanted to commit world-class evil, I’d undermine efforts at family planning by the poor, especially if I could simultaneously enable the spread of deadly diseases. And if I wanted to be so evil that I would commit a devastating crime against the whole of the human race, twisting the minds of children into ignorance and hatred, I would be promoting the indoctrination of religion in children’s upbringing, and fomenting hatred against anyone who dared speak out in defiance.

I’m sorry to say that I only aspire to be a teeny-tiny bit evil, and my target is a handful of virtually inedible crackers in my possession. It’s not much, and all I can say in my defense is…it’s a start. A very small start. I’m going to need lots and lots of people to rise up and follow suit, subjecting old, dishonest institutions of hardened dogma to our chief weapon of ridicule and deris…our two weapons of ridicule, derision and laughter…no, three weapons of ridicule, derision, laughter, and skeptici…oh, never mind. You know what I mean. Get to work.

Na gut, wenn PZ Myers mich schon auffordert, dann erlaube ich es mir, das Bild der Grossen Entweihung hier zu posten:

the great desecration

Yep, ihr seht ganz recht, da ist eine Seite aus Dawkins God Delusion drin. (Und dies ist das geniale Detail an diesem Foto.) Ich kann Myers voll und ganz zustimmen, wenn er dies mit folgenden Worten kommentiert:

They are just paper. Nothing must be held sacred. Question everything.

Hostienkrise: Todesdrohungen wegen Keksentführung

Nach der Karikaturenkrise, der Ferkelbuchkrise, haben wir nun eine Hostienkrise.

Nein, dieses Mal sind nicht etliche Moslems darüber aufgebracht, dass ein paar Karikaturisten Satire mit Mohammed betrieben haben. Keine vereinten Weltreligionen und andere Nette, die gegen ein säkulares Kinderbuch mit einem kleinen atheistischen Schweinchen drin Sturm laufen. Ach, selbst um Udo Ulfkotte und seine Frau Doris geht es nicht, denen wütende Moslems wegen einem Video, das die beiden nicht gedreht haben, an den Kragen wollen.1

Katholiken wollen PZ Myers umbringen, weil er zur Schändungen von Hostien aufgerufen hat. Zuvor wollte dasselbe fanatische Pack schon Webster Cook umbringen, der eine Hostie aus der Kirche mitgehen liess. Statt sie zu essen und so Kannibalismus zu begehen, ist er mit ihr aus der Kirche spaziert. Aus katholischer Sicht Jesusentführung und ein übles Hate Crime.2

PZ Myers hat in seiner ironisch-bissigen Art einen Blogpost über diese kleine Marginale geschrieben.3 Er rief darin auch seine Leser dazu auf, ihm Hostien zuzusenden, die er dann öffentlich mit tiefer Verachtung behandeln werde.

Myers erhielt (und erhält wohl immer noch) in der Folge eine Flut Hass-E-Mails4 und einige Morddrohungen5. Zudem wurde klar, dass sehr viele nicht möchten, dass Atheisten, die den Katholizismus in seinen Grundfesten kritisieren, vom Staat beschäftigt werden. Die Catholic League (Eine Organisation mit 4 Angestellten und einem Budget von knapp 3 Millionen Dollar und deren Boss Bill Donohue die Macher von South Park “kleine Nutten” nannte, weil diese ihn in einer Folge karikierten.) hat festgestellt, dass PZ Myers Blog auf der Fakultätswebsite verlinkt ist. Die CL will deswegen nun den Präsidenten der Universität kontaktieren6. Ein Republikaner hat als Reaktion auf Myers Blogpost nun sogar für die Republican National Convention in Minneapolis zusätzliche Sicherheitsleute angeheuert, weil er sich Sorgen um die Sicherheit der Katholiken macht7. Immerhin erhält PZ Myers nun Rückendeckung von Richard Dawkins8 und – natürlich – der vereinten atheistischen Bloggemeinschaft.

I guess I just don’t see why wafer rights should outweigh human rights.9

  1. brightsblog – Auf der Flucht []
  2. Hate Crimes & Hostien []
  3. pharyngula – IT’S A FRACKIN’ CRACKER! []
  4. pharyngula – I get email — special cracker edition! []
  5. pharyngula – Fight back against Bill Donohue! []
  6. pharyngula – Now I’ve got Bill Donohue’s attention []
  7. pharyngula – Can this possibly get more insane? []
  8. richarddawkins.net – PLEASE WRITE IN SUPPORT OF PZ MYERS []
  9. fivepublicopinions – We are all wafer-desecraters now []

Hate Crimes & Hostien

Webster Cook hat eine Hostie mitgehen lassen. Yep, statt sie zu verzehren, ist er einfach mit ihr davon gelaufen. Bubenstreich, könnte man meinen.

Doch nein, die katholische Weltgemeinschaft steht Kopf. Cook erhält sogar Todesdrohungen.

Die lokale Diözese spricht gar von einem Hate Crime:

“We don’t know 100% what Mr. Cooks motivation was,” said Susan Fani a spokesperson with the local Catholic diocese. “However, if anything were to qualify as a hate crime, to us this seems like this might be it.
We just expect the University to take this seriously,” she added “To send a message to not just Mr. Cook but the whole community that this kind of really complete sacrilege will not be tolerated.”1

Ein Priester vergleicht es mit Kidnapping (Yep, jetzt könnte man lachen, doch man verstehe den katholischen Glauben dahinter: Während diese Cracker gesegnet werden etc. verwandeln sie sich in den Leib Christi. Statt Jesus zu essen, ist Cook also mit ihm davon gelaufen.):

“It is hurtful,” said Father Migeul Gonzalez with the Diocese. “Imagine if they kidnapped somebody and you make a plea for that individual to please return that loved one to the family.”1

Wegen den Todesdrohungen hat Cook den Keks mittlerweile zurück gebracht. Während der Sonntagsmesse liess die Kirche jedoch die Hostien von bewaffneten Polizisten bewachen.

hat tip: dvizard

  1. pharyngula – IT’S A FRACKIN’ CRACKER! [] []