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Das Ölflecktheorem und negative externe Effekte

Das Ölflecktheorem (auch Ölflecktheorie) ist eine ökonomische These über die Wirkung von staatlichen Eingriffen in einen Markt. Sie besagt, dass ein einzelner staatlicher Ersteingriff in den Wirtschaftsprozess sich immer weiter ausdehnende Folgeeingriffe in das Wirtschaftssystem und letztlich eine Interventionsspirale nach sich zieht.1

Gut sichtbar wird diese Interventionsspirale, wenn es um negative externe Effekte geht:

Wir betreiben eine hochkomplexe Arbeitsteilung und da ist doch klar, dass auch das Gemeinwesen komplexer wird. Dieses sollte in der Lage sein, den gestiegenen Anforderungen entsprechende Lehrpläne zu formulieren oder die gesellschaftlich getragenen Kosten (negative Externalitäten) von Alkoholsucht, Übergewicht oder Sexgewerbe einzudämmen.2

Erst schafft der Staat negative externe Effekte, indem er beispielsweise das Sexgewerbe in die Halblegalität oder gar ganz in die Illegalität abdrängt, so dass es nicht wie Coiffeursalons oder Versicherungsagenturen arbeiten kann, was das Gewerbe buchstäblich auf die Strasse und in die Hände des organisierten Verbrechens drängt. Dann sozialisiert er die negativen externen Effekte, indem er beispielsweise die Krankenkassen so stark reguliert, dass jeder Bürger in einer Kasse sein muss, die Kassen aber preislich kaum diskriminieren und etwa von Alkoholsüchtigen oder Übergewichtigen höhere Prämien verlangen dürfen. Dann versucht er, die negativen Externalitäten zu bekämpfen, indem er beispielsweise Verrichtungsboxen für die SexarbeiterInnen und ihre KlientInnen subventioniert. Und schliesslich bekämpft er alles, was negative Externalitäten verursacht, da die Kosten ja eben gesellschaftlich getragen werden und führt beispielsweise Antiübergewichtskampagnen und Fettsteuern ein, erhöht die Alkoholsteuer oder verbietet bestimmten Betrieben den Alkoholverkauf am Abend und in der Nacht.


  1. wikipedia – Ölflecktheorem []
  2. Michelle Beyeler – Für die Freiheit und gegen die Anti-Staats-Mentalität []

Freiheit ist unteilbar

“Viele glauben, dass wirtschaftliche Freiheit etwas anderes sei, als andere “Freiheiten”. Sie sind der Meinung, dass andere Freiheiten, die sie für wichtiger halten, auch dann gewahrt werden könnten, wenn es keine wirtschaftliche Freiheit gäbe. [...] Sie erkennen nicht, dass alle diese Freiheiten in einem System ohne Markt, in dem die Regierung alles bestimmt, nur Illusionen sind, auch wenn sie im Gesetz verankert und in die Verfassung aufgenommen worden sind. Lassen sie uns einmal eine dieser Grundfreiheiten, z.B. die Pressefreiheit, näher betrachten. Wenn die Regierung alle Druckereien besitzt, wird sie bestimmen, was gedruckt werden soll und was nicht. Wenn das der Fall ist, wird es praktisch unmöglich, irgendetwas, das den Vorstellungen der Regierung zuwiderläuft, zu drucken. Die Pressefreiheit verschwindet und das gleiche gilt auch für alle anderen Grundfreiheiten.”

~ Ludwig von Mises, Vom Wert der besseren Ideen

Protect the individual against his own foolishness?

Opium and morphine are certainly dangerous, habit-forming drugs. But once the principle is admitted that it is the duty of government to protect the individual against his own foolishness, no serious objections can be advanced against further encroachments. A good case could be made out in favor of the prohibition of alcohol and nicotine. And why limit the government’s benevolent providence to the protection of the individual’s body only? Is not the harm a man can inflict on his mind and soul even more disastrous than any bodily evils? Why not prevent him from reading bad books and seeing bad plays, from looking at bad paintings and statues and from hearing bad music? The mischief done by bad ideologies, surely, is much more pernicious, both for the individual and for the whole society, than that done by narcotic drugs.

~ Ludwig von Mises – Human Action, XXVII. THE GOVERNMENT AND THE MARKET, 6. Direct Government Interference with Consumption

And this is exactly what is happening.1


  1. Especially in Germany. []

Sezession für Regionen, Städte, Dörfer, Individuen?

Wenn die Bewohner eines Gebietes, sei es eines einzelnen Dorfes, eines Landstriches oder einer Reihe von zusammenhängenden Landstrichen, durch unbeeinflusst vorgenommene Abstimmungen zu erkennen gegeben haben, dass sie nicht in dem Verband jenes Staates zu bleiben wünschen, dem sie augenblicklich angehören, sondern einen selbständigen Staat bilden wollen oder einem anderen Staate zugehören wollen, so ist diesem Wunsche Rechnung zu tragen. [...] Wenn es irgend möglich wäre, jedem einzelnen Menschen dieses Selbstbestimmungsrecht einzuräumen, so müßte es geschehen.

~ Ludwig von Mises

Besteuerung der Kinderlosigkeit: Eine unökonomische, unsoziale und unliberale Idee

Unions-Bundestagsabgeordnete wollen Kinderlose durch eine Grundgesetzänderung zur Kasse bitten. Der Sprecher der Jungen Gruppe, Marco Wanderwitz, sagte der “Mitteldeutschen Zeitung” (Dienstagausgabe) laut Vorabbericht: “Unsere Sozialversicherungssysteme funktionieren nicht, wenn es zu wenig Kinder gibt.” Menschen ohne Kinder ab 25 Jahre sollten eine Abgabe von einem Prozent des Einkommens zahlen. Paare mit einem Kind sollten ein halbes Prozent zahlen. Von der Abgabe verschont bleiben sollten nur Eltern mit zwei und mehr Kindern.1

Es gibt etliche Probleme mit dieser Kinderlosigkeitssteuer:

Sie ist unökonomisch und ineffizient
Wenn sich der Staat aus finanziellen Gründen in die Fortpflanzungsentscheidungen der Bürger einmischen will, dann sollte er dies etwas gezielter tun. Denn Kinder nützen dem Staat nicht nur, sie verursachen auch Kosten. Gerade in den ersten zehn, zwanzig Lebensjahren. Leute, die ein erhöhtes Risiko haben, Kinder zu zeugen, die während der Kindheit oder Jugend sterben, sollten folglich davon abgehalten werden, Kinder zu kriegen.

Doch auch unter Leuten, die erst spät sterben, gibt es solche, die Nettosteuerbezüger sind, die also über ihr Leben gesehen mehr Geld beziehen als sie in die Sozialsysteme einzahlen. Da niemand in die Zukunft schauen kann, muss man anhand gewisser Eigenschaften der potenziellen Eltern abschätzen, wer eine grössere Wahrscheinlichkeit hat, Nettosteuerzahler zu zeugen. Ich schlage vor, dazu IQ, Einkommen und Gene der Eltern zu betrachten. Ein Kind von reichen, intelligenten Eltern, die ein unterdurchschnittliches Risiko für Behinderungen und Erbkrankheiten haben, hat eine grössere Wahrscheinlichkeit, später zu einem Nettosteuerzahler zu werden als ein Kind von armen, dummen Eltern, die anfällig für Behinderungen und Erbkrankheiten sind. Dies bedeutet, dass man Arme und Erbkranke eher dafür bezahlen sollte, keine Kinder zu kriegen, während man Reiche mit allen Mitteln dazu bringen sollte, Grossfamilien zu gründen.

Der Staat hat aber noch viele weitere Möglichkeiten. Er könnte beispielsweise zu fortpflanzungsmedizinischen Mitteln greifen und die Eltern verpflichten, ihr Kind kurz nach dessen Zeugung genetisch untersuchen zu lassen. Wenn das werdende Kind Gendefekte aufweist oder gewisse unerwünschte genetische Prädispositionen hat, dann könnte den Eltern nahegelegt werden, den Embryo abzutreiben.

(Glücklicherweise ist dies nicht die einzige Möglichkeit, das Sozialsystem zu retten. Man könnte beispielsweise das Umlageverfahren durch ein Kapitaldeckungsverfahren ersetzen oder ein marktwirtschaftlich basiertes System kreieren.)

Sie ist unsozial
Ausser es gäbe dutzende Ausnahmen, müssten auch die unfreiwillig Unfruchtbaren, die unfreiwillig Unverheirateten, die unfreiwillig Partnerlosen und viele andere, für die die Kinderlosigkeit keine bewusste Wahl ist, besteuert werden. Jene Leute, die also schon darunter leiden, dass sie keine Kinder kriegen können, würden dafür noch zusätzlich vom Staat bestraft.

Sie ist unliberal
Es ist nicht liberal, eine bestimmte Lebensgestaltung zu besteuern oder zu subventionieren. Im Rahmen ihrer Fähigkeiten und Möglichkeiten sollten die Menschen frei sein, ihr Leben nach ihren eigenen Wünschen gestalten zu können. Sie sollten nicht vom Staat begünstigt oder bestraft werden, wenn sie sich für einen bestimmten Lebensstil entscheiden.2

Die bayerische Familienministerin Christine Haderthauer (CSU) sprach sich hingegen für eine Besserstellung von Menschen mit Kindern aus. Derzeit gebe es in den Sozialversicherungssystemen eine Gerechtigkeitslücke zwischen Menschen mit und ohne Kindern, sagte Haderthauer der “Welt”. Wer Zukunft baue und Kinder habe, dürfe nicht mit denselben Beiträgen belastet werden wie jemand, der das egal aus welchen Gründen nicht mache.1

Das ist lächerlich. Um ‘Zukunft zu bauen’, braucht man keine Kinder zu zeugen. Künstler wie Goethe, Kafka, Dali, Picasso, Van Gogh, Michelangelo, da Vinci, Raffael haben die Zukunft durch ihre Kunst wohl stärker und positiver beeinflusst als durch die Zeugung von Kindern. Genauso jene Unternehmer, Erfinder und Wissenschaftler, deren Kreationen und Entdeckungen unser Leben tagtäglich angenehmer und schöner machen.3

“Wir müssen wieder in eine Gesellschaft hineinwachsen, in der es nicht völlig egal ist, wie man lebt.”1

Als ob es dies in der gegenwärtigen Gesellschaft wäre. Derzeit benutzt der Staat seine Macht, um den Bürger stark darin zu beeinflussen, wie er sein Leben gestaltet. Auf manche Konsumgegenstände hat er Spezialsteuern erhoben, manche hat er monopolisiert und andere ganz verboten. Er schreibt dem Bürger vor, wie und wo und wann er pokern darf. Er verbietet manche Meinungsäusserungen, manche Gebäudetypen und manche Kleidungsstücke. Für jene, die gerne ein Unternehmen gründen möchten, hat er zahlreiche Hürden kreiert. Etc. etc.

Zusätzlich zu den staatlichen Vorschriften gibt es gesellschaftlichen Druck, der manche Menschen zu wirren, wahnsinnigen und lächerlichen Taten anstiftet und andere davon abhält, ihr Leben so zu gestalten, wie sie es für richtig und gut und schön halten.

Ein “Zwangssoli für Kinderlose” sei “demographische Planwirtschaft”, erklärte die familienpolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion, Miriam Gruss.1

Wie sagte schon Ludwig von Mises:

The planner is a potential dictator who wants to deprive all other people of the power to plan and act according to their own plans. He aims at one thing only: the exclusive absolute preeminence of his own plan.4


  1. derwesten – Heftige Debatte um Steuer für Kinderlose [] [] [] []
  2. Vorausgesetzt dieser Lebensstil ist friedlich. Wer unter dem guten Leben eine Räuberkarriere versteht, darf und muss daran gehindert werden, diesen Wunsch in der Realität auszuleben. []
  3. Aber ich will die beiden Dinge nicht gegeneinander ausspielen. Man kann nicht objektiv und universell sagen, ob es wertvoller ist, ein Kind zu kriegen oder ein Kunstwerk zu schaffen. []
  4. Ludwig von Mises – Planned Chaos, p. 29 []

Spekulation und der Unterschied zwischen privaten Unternehmen und staatlichen Korporationen

Aus einem “Chat-Duell” zwischen Cédric Wermuth (SP) und Lukas Reimann (SVP) zum Thema “Hildebrand: Politische Intrige oder Skandal?”:

Wermuth: Man muss klar die politische Dimension sehen. Genau diejenigen Parteien, die sich immer gegen eine Regulierung der Finanzbranche wehrten, schreien nun nach harten Regeln für die SNB. Das ist absolut scheinheilig.

Eigentlich ist es liberal: Private Organisationen können mehr oder weniger tun und lassen, was sie wollen, so lange sie dabei niemandem einen physischen oder finanziellen Schaden zufügen, resp. die Eigentumsrechte anderer Menschen verletzen. Staatliche und parastaatliche Institutionen hingegen haben nur einen sehr stark begrenzten Spielraum und dürfen oder müssen durch Transparenzgesetze fast komplett gläsern gemacht werden. Da die Zentralbank zu letzteren gehört, ist es nicht abwegig, zu verlangen, dass der Nationalbankpräsident einerseits seine Finanzgeschäfte offen legt und andererseits nur sehr eingeschränkt private Finanzgeschäfte durchführen kann.

Genau eure Politik führte dazu, dass man mit dem Schweizer Franken spekulieren kann. Man muss jetzt also nicht so tun, als wäre plötzlich alles falsch gelaufen.

Mich nähme wunder, was die SP getan hätte, um Spekulationen mit dem Schweizer Franken zu verhindern. Hätte sie vielleicht alle Devisengeschäfte verboten? Oder denkt sie ernsthaft, man könne eine klare Linie zwischen spekulativen und nicht-spekulativen Transaktionen ziehen?

Reimann: Falsch. Das Wegsehen des Bankrates führte dazu, dass mit Devisen spekuliert wird. Wir schauen den Mächtigen auf die Finger. Die Stabilität des Landes muss sichergestellt sein. Darum fordern wir ein härteres Reglement. Solche Machenschaften sind an der Spitze der SNB nicht tolerierbar.

Die Spekulation war ja nicht das Problem. Das Problem war, dass möglicherweise aus Insiderinformationen Profit geschlagen wurde. Und wenn die SNB ihren Angestellten Insiderhandel nicht klar verbietet, dann wäre das ziemlich merkwürdig.

W: Wir sagten immer schon, auch bei der letzten Vorlage, wir wollen die Nationalbank politisch kontrollieren.

Die Unabhängigkeit der SNB soll nun also ganz und definitiv aufgegeben werden? Oder soll die SNB bloss ein wenig stärker zu einem politischen Akteur gemacht werden, als sie es eh schon ist und nominal (um den guten Ruf zu bewahren) unabhängig bleiben?

Ihr wart dagegen. Wir forderten harte Regeln gegen die Devisenspekulation. Ihr wart auch dagegen. Das ist nun ein Produkt eurer Politik. Philipp Hildebrand machte nichts anderes, als was er darf. Nun geht es darum, die Rolle der Nationalbank in der Geldpolitik zu diskutieren. Sie muss endlich auf 1.40 Franken zum Euro. Der Rest ist Pipifax.

Die Frankenkrise war eine Krise, nicht weil man objektiv sagen könnte, dass der Franken unterbewertet war (vielleicht ist er bei EUR/CHF 1.20 immer noch überbewertet) oder weil es einen optimalen Wechselkurs geben würde, sondern weil der Euro rapide an Wert verlor und der Franken rapide aufwertete. Kurzum: Der Anpassungsprozess war das Problem, nicht das Niveau des Wechselkurses an und für sich. Wenn schon, hätte die Nationalbank die Aufwertung des Frankens abfedern sollen, statt ihn nachträglich Stück für Stück abzuwerten.

R: Es ist ja offensichtlich, was ihr wollt. Die SNB soll einfach das SP-Parteiprogramm durchsetzen. Doch so gehts natürlich nicht in diesem Land. Die SNB ist verantwortlich für die Stabilität des Landes und seiner Währung. Da dürfen sich diejenigen, die an der Spitze sind, nicht noch bereichern wollen. Es braucht harte Reglemente, die Devisenkäufe und -verkäufe verbieten.

Ja, die SP fordert ganz offen und ehrlich, dass die SNB nicht nur für Preisstabilität, sondern auch für Vollbeschäftigung sorgen soll. Zwei schwer vereinbare Ziele, da letzteres bekanntlich mit einer Geldmengenausweitung, resp. blatanter Inflation erreicht werden soll.1

W: Einzig richtig wäre, dass grundsätzlich Spekulationen, die der Schweiz schaden, verboten werden. Das muss jedoch für alle Banken gelten. Dann finden wir uns.

Wäre die Welt bloss so einfach, dann könnte man eine Behörde einrichten, die jede Transaktion darauf überprüft, ob sie erstens spekulativ ist und ob sie zweitens schädlich für die Schweiz ist. Und die zuständigen Beamten würden nicht versuchen, sich selber zu bereichern oder ihre Macht zu vergrössern oder die falschen Transaktionen zu verbieten. Doch die Welt ist komplex und kompliziert und Experimente mit einer Finanzmarktplanwirtschaft sind ziemlich heikel.


Ergänzend zwei Bemerkungen zweier Ökonomen zur Spekulation:

David Friedman:

A successful speculator buys things when they are cheap, sells when they are expensive, and so both makes a profit for himself and smooths out price movements. The latter effect can be a very large benefit to other people. A speculator who sees a food shortage coming well in advance and takes the opportunity to buy up grain early gives other and less well informed people an incentive to use less grain, to plant more of other food crops, and thus to alleviate what might otherwise be a serious famine.

Ludwig von Mises:

The influence of speculation cannot alter the average level of prices over a given period; what it can do is to diminish the gap between the highest and the lowest prices. Price fluctuations are reduced by speculation, not aggravated, as the popular legend has it.2


  1. Ob die Inflationierung tatsächlich diesen Effekt hat, ist aber eine andere Frage. Manche Leute sind ja der Meinung, dass Inflation Blasen verursachen kann. []
  2. The Theory of Money and Credit – p. 286 []

Mises, Individual Secession & (P)Anarchism

The right of self-determination in regard to the question of membership in a state thus means: whenever the inhabitants of a particular territory, whether it be a single village, a whole district, or a series of adjacent districts, make it known, by a freely conducted plebiscite, that they no longer wish to remain united to the state to which they belong at the time, but wish either to form an independent state or to attach themselves to some other state, their wishes are to be respected and complied with. This is the only feasible and effective way of preventing revolutions and civil and international wars.

To call this right of self-determination the “right of self-determination of nations” is to misunderstand it. It is not the right of self-determination of a delimited national unit, but the right of the inhabitants of every territory to decide on the state to which they wish to belong. This misunderstanding is even more grievous when the expression “self-determination of nations” is taken to mean that a national state has the right to detach and incorporate into itself against the will of the inhabitants parts of the nation that belong to the territory of another state. It is in terms of the right of self-determination of nations understood in this sense that the Italian Fascists seek to justify their demand that the canton Tessin and parts of other cantons be detached from Switzerland and united to Italy, even though the inhabitants of these cantons have no such desire. A similar position is taken by some of the advocates of Pan-Germanism in regard to German Switzerland and the Netherlands.

However, the right of self-determination of which we speak is not the right of self-determination of nations, but rather the right of self-determination of the inhabitants of every territory large enough to form an independent administrative unit. If it were in any way possible to grant this right of self-determination to every individual person, it would have to be done. This is impracticable only because of compelling technical considerations, which make it necessary that a region be governed as a single administrative unit and that the right of self-determination be restricted to the will of the majority of the inhabitants of areas large enough to count as territorial units in the administration of the country.1

Mises war kein Anarchist. Doch er war ebensowenig ein Befürworter von Nationalstaaten, denn er wollte jedem Kanton, jeder Region, jeder Gemeinde, jedem Dorf die Sezession erlauben. Und von der munizipalen und kommunalen Sezession ist es dann nur ein kleiner Schritt zur individuellen Sezession. Manchmal sogar ein sehr kleiner Schritt, wenn man betrachtet, dass es heutzutage Dörfchen mit bloss einer Handvoll Einwohner gibt.

Im Kontrast zu den heutigen Minarchisten und Minimalstaatlern und nicht-anarchistischen2 Libertären war Mises also durchaus recht anarchistisch. Eine gewisse Nähe zum Panarchismus kann man ihm auf alle Fälle nicht absprechen3 :

Panarchism is a political philosophy emphasizing each individual’s right to freely join and leave the jurisdiction of any governments they choose, without being forced to move from their current locale. The word “panarchy” was invented and the concept proposed by a Belgian political economist, Paul Émile de Puydt in an article called “Panarchy” published in 1860. The word “panarchy” has since taken on additional, separate meanings, with the word “panarchism” referring to the original definition by de Puydt.

De Puydt, a proponent of laissez-faire economics, wrote that “governmental competition” would allow “as many regularly competing governments as have ever been conceived and will ever be invented” to exist simultaneously and detailed how such a system would be implemented. As David M. Hart writes: “Governments would become political churches, only having jurisdiction over their congregations who had elected to become members.”4

Hier stellt sich dann wiederum die Frage, ob es überhaupt noch einen nenneswerten Unterschied zwischen panarchistischen ‘Staaten’ und dispute resolution organizations (DRO) / private defense agencies (PDA) gibt.


  1. Ludwig von Mises – Liberalism – 3 Liberal Foreign Policy – 2. The Right of Self-Determination []
  2. pro-*archischen und pro-*kratischen []
  3. Auch wenn ihm dieses Konzept vielleicht nicht bekannt war. []
  4. wikipedia – Panarchism []

Happy Birthday Ludwig von Mises

Ludwig von Mises was born 129 years ago today on September 29, 1881. It is no exaggeration to say that Mises was one of the greatest economists who ever lived. His treatise on economics, Human Action, published by Yale University Press has influenced (and is continuing to influence) some of the best economists in the world since its publication in 1949.

He was also one of the most passionate advocates of liberty in the 20th century. He actively fought for liberty even in times where the prevailing views were just the opposite. His fight against socialism led him to demonstrate not that socialism was flawed in the incentives it created (it was, as he was fully aware) but that it was impossible because it could not achieve the material well being it promised without rational economic calculation, which cannot occur without market prices. He resisted Keynesianism, stating that Keynes was simply a prophet of inflation and an apologist for existing policies, at a time when Keynes dominated macroeconomic thought.1


  1. Nicholas Snow – Happy Birthday Ludwig von Mises []