Mit ihrem Bericht lösten die Währungshüter von der Nationalbank (SNB) gestern an der Börse einen Kurssturz aus. Innert Minuten sank der CS-Kurs um 8 Prozent, bis Börsenschluss waren es 10 Prozent. Damit wurden 2,5 Milliarden Franken Börsenwert vernichtet. Besonders heikel daran: Die SNB hatte ihren Befund bereits am Montag einem breiten Kreis von Journalisten und sonstigen Interessenten verteilt.
Es war die perfekte Einladung zur Spekulation, die am Montag auf die Redaktion des «Tages-Anzeigers» und zu anderen interessierten Kreisen kam: Die Nationalbank wird die Credit Suisse (CSGN 17.55 3.17%) in ihrem Stabilitätsbericht gestern Donnerstag ultimativ auffordern, ihr Kapital signifikant zu erhöhen.
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Nun ist bekannt, dass der Bericht bereits im Laufe des Montags kursierte, bei vorinformierten Journalisten und bei anderen interessierten Kreisen. Jeder Eingeweihte wusste auch, dass die Medien bis zum Donnerstag um 10 Uhr wegen einer Sperrfrist nicht über die alarmierenden Befunde berichten durften.1
Das ist ein Grund, wieso ich immer wieder für die Trennung von Staat und Information plädiere. Wenn der Staat die Bürger informieren will, soll er das per Internet und für alle Leute gleichzeitig tun. Es sollen keine Neuigkeiten an Zeitungen verschickt werden, die diese erst nach einer Sperrfrist veröffentlichen dürfen. Stattdessen sollen alle staatlichen Organisationen die News auf ihren eigenen Websites veröffentlichen, so dass Journalisten, Börsenspekulanten und Normalbürger sie alle zur gleichen Zeit erhalten können.
Das Problem mit der Vermischung von Staat und Information besteht jedoch nicht nur darin, dass Kreise, die früher an die Informationen kommen als die anderen, sich damit bereichern können, was unfair ist gegenüber allen anderen Bürgern, die keinen privilegierten Informationszugang haben.
Das Problem ist auch, dass dadurch eine gefährliche Nähe von Staat und Presse geschaffen wird, so dass die Presse von einer Macht, die dem Staat skeptisch und kritisch gegenüber steht, zu einer vierten Gewalt wird, die den Staat stützt und stärkt. Die Möglichkeit, bestimmte Personen und Korporationen früher zu informieren als andere, gibt dem Staat ein Instrument, um die Presselandschaft zu formen. Und hat er mal keine geheimen Informationen, um bestimmte Presseorganisationen zu belohnen, so kann er dies auch mit dem Gewähren von Interviews tun. Aber das sind nur zwei von hunderten Arten, wie der Staat die Trennung von Information und Staat verletzt.
Trotzdem habe ich zwei konkrete Forderungen:
- Einführung von strengen internen Regeln, die verhindern, dass Staatsangestellte von ihrem Wissen um bevorstehende Marktmanipulationen profitieren können.
- Abschaffung der Presse-Privilegien. Die Presse kann zur selben Zeit auf staatliche Informationen zugreifen wie die restlichen Bürger.
Addendum: Die Vorinformation bestimmter Medien ist auch eine strukturkonservative Massnahme, die den Strukturwandel hemmt, die Markteintrittshürden erhöht und den bereits etablierten Medien hilft, ihre (privilegierte) Position zu behalten.
- Arthur Rutishauser – Wie der CS-Kurssturz Insider reich machte [↩]
