Während in der Schweiz Stimmung gegen privaten Waffenbesitz gemacht wird1 2 , die liberalen Waffengesetze drastisch verschärft werden sollen und selbst FDPler3 4 in den Ruf nach Staatsregulation einstimmen (wen wundert’s, hat die FDP doch die Freiheit fallen gelassen und macht nun offiziell Propaganda mit Solgans wie “sicher leben”5 (Sicherheit, die stets nur Schein und Trug, nie aber real ist.).), sieht die Stimmung in New Hampshire (dem wohl freiheitlichsten Bundesstaat der USA, wo man Feuerwaffen so unbeschwert kaufen kann wie Zigaretten und nach dem Kauf die Pistole offen im Gürtelholster tragen und so Brötchen kaufen gehen kann. New Hampshire ist jedoch – aller Furcht vor laschen und liberalen Waffengesetzen zum Trotze – einer der sichersten Plätze in den USA.) ziemlich anders aus:
- Ein Aktivist betritt mit offen getragener Waffe das Polizeidepartement und wird ohne Probleme in ein Nebenzimmer gelassen, um mit einem Sergeant ein Zweigespräch zu halten: “NH: Gun activist open carries into Manchester police station” Wie es Sphairon kommentiert: “No hierarchy between policemen and customers: both are armed, both have their reasons. No embarassing questions, no paperwork, no panic, just respectful business between two equally free men.”6
- New Hampshirites treffen sich bewaffnet zum gemütlichen Glace-Fest: “NH: PorcFesters enjoy armed ice cream social“
- New Hampshirites gehen im “schlimmsten” Viertel der Stadt Manchester Müll auflesen, bewaffnet: “Openly armed Free Staters clean litter in “troubled” NH hood“
Eine kondensierte Widerlegung des von den Befürwortern eines Waffenverbots (ein doch recht lächerlicher Begriff, da einzig der legale Besitz von Waffen verboten werden kann, nicht aber der Waffenbesitz an und für sich. Die Nähe der schwarzen Märkte ist nicht zu unterschätzen; illegal eine Waffe zu kaufen ist nicht viel schwieriger als illegal ein paar Gramm Hanf oder Kokain zu erstehen.) propagierten Sicherheitsargument findet sich bei Road of Rothbard: Guns and Crime. Über privates Eigentum und das vom Staat schmächlich ignorierte Recht, mit seinem Eigentum so zu verfahren, wie es einem beliebt (sofern man damit keine Aggression verübt), schweigen sich die Verbotsproponenten beharrlich aus. Zumal sie das Paradox, das daraus entsteht, dass man eine Personengruppe (Polizei) schwer bewaffnen muss, um das “Volk” zu entwaffnen, meines Wissens auch nicht gelöst haben.
(Addendum: Ich habe eine sehr tiefe Abneigung gegen Waffen. Nur so.)
- nzz – Armeewaffen sollen aus Haushalten verbannt werden: Waffenschutz-Initiative mit gut 120’000 Unterschriften eingereicht [↩]
- opponent – Schweiz: Großangriff auf Selbstverteidigungrecht, Waffenbesitz und Milizgedanken [↩]
- Michael Jäger – Warum das Sturmgewehr ins Zeughaus gehört – nicht in den Schrank [↩]
- Auf der Website der Initianten dieses Waffenverbots sind unter dem Punkt “Tragende und unterstützende Organisationen” auch die Jungfreisinnigen Wallis aufgeführt, nebst den üblichen Verdächtigen. [↩]
- dvizard – Sicher liberal. [↩]
- Road to Rothbard – A shining example of individual liberty [↩]

Naja, ich weiß nicht. Die New Hampshirtes mögen ein recht beschauliches Völkchen sein, weswegen der Waffenmissbrauch dort kein Thema sein dürfte. In einer Großstadt wie meiner Heimatstadt Wien jedoch, in der auf viel engerem Raum in etwa genauso viele Leute zusammenleben – und diese noch dazu aus den unterschiedlichsten Kulturen, politischen Richtungen und sozialen Schichten stammen -, hätte ich offen und ehrlich Angst, würde das Waffenverbot für Privatpersonen aufgehoben.
Sicher, die Argumentation, wonach ein Verbrecher sich durch die potentielle Wehrhaftigkeit der Anderen einen bewaffneten Überfall dann dreimal überlegen würde, ist bestechend. Sie lässt allerdings gewisse Sondersituationen außer Acht, so zum Beispiel nächtliche Überfälle, in die mehr als eine angreifende Person involviert sind; oder auch heimatliche Streits, wo dann viel schneller zur Waffe gegriffen wird als das beispielsweise beim lediglichen Vorhandensein eines Küchenmessers der Fall wäre.
(Eigentums-)Freiheit schön und gut – aber tödliche Waffen sind meiner Meinung nach einfach zu prekär und lebensentscheidend, als dass man sie allzu leichtfertig unter die Bevölkerung verteilen sollte. Ich wünschte, es wäre anders, aber leider gibt es immer noch viel zu viele Personen, die gewissenlos (oder auch nur aus dem Affekt hinaus) gegen das Nichtaggressionsprinzip verstoßen und dadurch unschuldige Leben rauben. Man sollte es diesen Personen nicht unbedingt erleichtern.
(Ganz davon abgesehen dass gar nicht gesagt ist, dass bei einer Waffenliberalisierung jeder Bürger auch plötzlich eine solche trägt und somit wehrhaft wird.)
Stimmt schon, New Hampshire ist eine recht friedliche Gegend. Aber NH widerlegt all jene Leute, die behaupten, eine Waffenliberalisierung würde zu Mord und Totschlag führen. Dies ist ganz offensichtlich nicht der Fall. Des weiteren gibt es schlicht keine Zahlen, die aufzeigen würden, dass die Mordraten umso geringer sind, je strikter die Waffengesetze sind. Es gibt nur Korrelationen, die mal das eine aufzuzeigen scheinen, mal das andere. Bei der Waffenproblematik muss man also zu anderen Mitteln greifen als der Statistik. Und wer ein Volk entwaffnen will, der braucht schon sehr gute Argumente. Insbesondere darf er sich nicht von seiner Intuition leiten lassen, die auch mir sagt, dass es gefährlich sei, Waffenbesitz zu legalisieren.
Die heimatlichen Streits sind allerdings ein Problem, das durch vorhandene Schusswaffen verschärft werden kann. Insbesondere durch die grössere Distanz zwischen Täter und Opfer als bei einem Messerangriff. Was ich sagen will: Mir scheint, eine Pistole abzufeuern fällt leichter, als ein Messer in einen Körper zu stechen.
Das grosse Problem bei einem Waffenverbot ist ja, dass nicht die Täter, sondern die Opfer entwaffnet werden. Mörder und Räuber werden genauso leicht zu einer Waffe kommen. Gewiss, ist der Waffenbesitz legal, kann es vorkommen, dass einer ausrastet und die Waffe zückt, der sich nie auf dem Schwarzmarkt eine Waffe besorgt hätte. Doch ich denke, das sind Einzel- und Ausnahmefälle.
Nun, es müssen auch nicht alle eine Waffe auf sich tragen, doch der Räuber oder Mörder weiss natürlich nicht, wer bewaffnet ist und wer nicht. Die Abschreckungswirkung ist also so oder so da. Bei einem Waffenverbot kann er hingegen darauf zählen, dass seine Opfer unbewaffnet sind.
Sowohl den Artikel als auch den Kommentar von Mathias halte ich für sehr vernünftig. Das Problem ist im Grunde, dass einem freien Menschen nicht verboten werden sollte, eine Waffe zu besitzen/zu tragen, dass aber mit der Feiheit auch mehr Verantwortung in die Hände des Einzelnen gelegt wird – dann unterscheidet sich die Frage um ein Waffenverbot z.B. nicht von der Frage nach dem Besitz von Kampfhunden. Ich bin mir nicht sicher, ob soetwas wie eine psychologische Überprüfung vielleicht Abhilfe schaffen könnte – ähnlich dem ‘Idiotentest’, der die Tauglichkeit für das Führen eines Kfz feststellt (ich kann leider nicht beurteilen, wie verlässlich ein solches psychologisches Gutachten wäre.)
Ich habe dank dieses Artikels heute das erste Mal wirklich über die Frage nachgedacht – bisher hatte ich in diesem Zusammenhang immer nur das Bild des Waffen schwingenden erzkonservativen Charlton Heston vor mir verbunden mit der Milchmädchenstatistik “Mehr Waffen – mehr Verbrechen”…
Einen sehr guten Artikel zum Thema Waffengesetze in den USA und der Meinungsmache in den deutschen Medien habe ich übrigens auch gefunden: http://ef-magazin.de/2008/06/27/357-waffenrecht-amerikanische-freiheitskultur-und-deutscher-durchfalljournalismus
Das Problem einer psychologischen Überprüfung ist, dass es wohl sehr schwierig werden wird, zu beurteilen, wer fähig ist, mit einer Waffe umzugehen und wer nicht. Es kann sogar darauf hinauslaufen, dass Leute für Verbrechen bestraft werden, die sie nie begangen hätten. Denn dass einer vielleicht etwas labil ist, bedeutet nicht, dass dieser irgendjemanden umbringen würde. Ich halte es für recht zweifelhaft, Leuten Privilegien zuzugestehen oder wegzunehmen auf der Grundlage von irgendwelchen Hirnstörmen oder Verhaltensweisen.
@Benjamin
Ja, da hast Du wahrscheinlich recht. Wie könnte man also dem Problem begegnen, dass jeder Idiot mit einer Waffe herumläuft, wobei ich nicht entscheiden möchte, wer ein Idiot ist?
Indem man die gutherzigen, schlauen, intelligenten, freundlichen Leute auch bewaffnet?
Nein, leider nicht. Wie steht es denn um die Freiheit, wenn der Pazifist gezwungen ist eine Waffe zu tragen, um sich sicher zu fühlen? Auch ein Waffengegner wird in Notwehr zur Waffe greifen, aber der Angreifer zwingt ihn dazu, womit der Waffengebrauch keine freie Entscheidung mehr ist.
Ich würde ja gerne allen alle Freiheiten bedingungslos zugestehen, aber eine zivilisierte Gesellschaft lässt sich nicht in einen idealen Naturzustand zurückversetzen, in dem sich alles von selbst reguliert.
“Ja, da hast Du wahrscheinlich recht. Wie könnte man also dem Problem begegnen, dass jeder Idiot mit einer Waffe herumläuft, wobei ich nicht entscheiden möchte, wer ein Idiot ist?”
Wie man hier merkt, gibt es trotz allgemein freiheitlicher Einstellungen zahlreiche Vorbehalte gegenüber privatem Waffenbesitz. Das ist durchaus nachvollziehbar. Was also hält findige Geschäftsleute davon ab, diesem Bedürfnis nach Sicherheit nachzukommen und beispielsweise ein “No guns allowed”-Schild an ihrer Tür zu befestigen, ähnlich wie die “Wir müssen draußen bleiben”-Aufkleber für Hunde? Von da aus kann man weiter ableiten: Wenn es im Einkaufszentrum geht, dann können beispielsweise auch geschlossene Gesellschaften/gated communities in ihren Vierteln das Führen von Waffen verbieten oder erheblich einschränken. Sollte Gewalt durch bewaffnete Idioten tatsächlich ein Problem darstellen, würden die meisten anderen Lokalitäten bald nachziehen, schließlich will niemand seine friedlichen Kunden durch aggressive Cowboys verlieren.
Ich weiß nicht, wie du zum Staat stehst, Nihilistika, aber mich beunruhigt der Gedanke, dass mir ein Gewaltmonopol nach recht willkürlichen Kriterien (“persönliche Eignung”) erlauben oder verbieten darf, mich gegen die Gewalt anderer zu verteidigen. Zumal die Prüfung der Tauglichkeit doch sehr durchlässig zu sein scheint, wie man am Verhalten einiger Autofahrer täglich im Straßenverkehr miterleben darf …
Grundsätzlich teile ich eure Bedenken. In einer konfliktgeladenen Nachbarschaft oder in unsicheren Gegenden kann Waffengewalt auch leicht eskalieren. Die Kunst ist es jedoch, diese Konflikte beizulegen, also die Ursachen anzugehen, nicht zu versuchen, die Symptome durch Waffenverbote zu unterdrücken. Oder würdet ihr Eltern (die ja potentielle Gewalttäter sein könnten!) das Kinderkriegen verbieten, bis sie einen Fähigkeitstest bestanden haben?
Sphairon, viele Leute, die privaten Waffenbesitz ablehnen, finden auch gated communities etwas ganz und gar Schreckliches. Man erinnert sich an den medialen Aufstand, als in Deutschland jemand eine solche gated community gründen wollte.
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Zu empfehlen bezüglich Waffenbesitz und Waffengewalt sind die Sendungen von Penn & Teller und John Stossel. Besonders die Interviews mit Kriminellen (aus Regionen mit sehr hohen Gewaltraten und eher restriktiven Waffengesetzen), die unverblümt zugeben, dass sie gleich eine neue Waffe kaufen gehen, wenn die Polizei die alte einzieht. Illegal eine Waffe zu kaufen ist für diese Leute so einfach wie Brötchen zu kaufen. Somit könnte man fast sagen, je mehr Gewalt es in einer Stadt gibt. umso lockerer sollten die Waffengesetze sein, damit die Friedliebenden sich wenigstens verteidigen können.
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Waffen in privater Hand haben zudem den Zweck, dass die Bürger fähig wären, sich gegen einen zu autoritären, zu gewalttätigen Staat zu verteidigen. Entwaffnet man die Bürger, macht man es Potentaten einfacher, dieselben Bürger zu unterjochen. War dies nicht auch in der Weimarer Republik/dem Dritten Reich der Fall? Ich meine, dass es hierzu ein berühmtes Beispiel gibt.
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@Nihilistika:
Natürlich ist die Entscheidung zur Notwehr keine allzu freie. Aber da ein gewisses Mass an Gewalt zu jeder Gesellschaft dazu gehört (leider!, aber wir sind nun mal auch nur keulenschwingende Primaten), muss man einer jeden Person auch die Option offen halten, sich zu verteidigen. Mit einem Waffenverbot erleichtert man den Kriminellen die Arbeit (was einige (siehe TV-Tipp oben) Kriminelle auch offen zugeben). Zudem muss der Pazifist nicht zwingend eine Waffe kaufen, er kann auch auf bewaffnete Passanten hoffen, so oder so profitiert er aber von der allgemeinen Abschreckung, die privater Waffenbesitz auslöst. Der Kriminelle weiss ja nicht, ob der Pazifist bewaffnet ist, daher wird er sehr viel vorsichtiger sein, als wenn er darauf zählen kann, dass dank einem Waffenverbot niemand bewaffnet ist.
btw, wenn wir darüber sprechen ob eine Gesellschaft mit oder ohne legalem privaten Waffenbesitz gewalttätiger wäre, sollten wir immer daran denken, dass einem Waffenverbot Gewalt innewohnt. Denn ein gesetzliches Verbot bedeutet nichts anderes, als dass auf eine bestimmte Handlung Gewalt folgt (in Form einer Busse, eines Gefängnisaufenthaltes, des Zwangsentzugs des Gewehres etc.). Um ein Waffenverbot durchzusetzen, braucht man ein gutes Pack bewaffnete Männer und eine gute Portion Zwang und Gewalt.
Dazu macht man mit einem Waffenverbot ein Nicht-Verbrechen zu einer Straftat. Der blosse Besitz einer Pistole stellt weder eine Gewalttat noch eine Aggression (im libertären Sinne) dar.
Nicht-Verbrechen zu bestrafen, ist selbst eine sehr fragwürdige Angelegenheit.
“War dies nicht auch in der Weimarer Republik/dem Dritten Reich der Fall? Ich meine, dass es hierzu ein berühmtes Beispiel gibt.”
Weiß nicht, ob du dasselbe meinst wie ich, aber mir ist das hier bekannt:
The Night of the Broken Glass (Kristallnacht), the infamous Nazi rampage against Germany’s Jews, took place in November 1938. It was preceded by the confiscation of firearms from the Jewish victims. On Nov. 8, The New York Times reported from Berlin, “Berlin Police Head Announces ‘Disarming’ of Jews,” explaining:
“The Berlin Police President, Count Wolf Heinrich von Helldorf, announced that as a result of a police activity in the last few weeks the entire Jewish population of Berlin had been ‘disarmed’ with the confiscation of 2,569 hand weapons, 1,702 firearms and 20,000 rounds of ammunition. Any Jews still found in possession of weapons without valid licenses are threatened with the severest punishment.”
[...]
Finding out which Jews had firearms was not too difficult. The liberal Weimar Republic passed a Firearm Law in 1928 requiring extensive police records on gun owners. Hitler signed a further gun control law in early 1938.
http://www.xmission.com/~ranthon/hitler-and-guns.htm
Die Tyrannei der guten Absichten.
Ich meinte eher das Waffengesetz von 1928 und die vorausgehenden Einschränkungen des privaten Waffenbesitzes (hier eine Historie des Waffenrechts: http://www.polizei-nrw.de/moenchengladbach/Waffenrecht/article/Historie_des_Waffenrechts.html) als die Entwaffnung speziell der Juden, aber das eine ging ja Hand in Hand mit dem anderen…
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