ars libertatis

In Industrienationen und vermehrt auch in Schwellenländern und in Entwicklungsländern glaubt die überwältigende Mehrheit der Menschen, dass die Demokratie die beste aller möglichen Staatsformen ist. Man mag einwenden, dass viele Leute missverstehen, was Demokratie bedeutet, oder dass sie sehr unterschiedliche Demokratieformen befürworten, doch auch wenn man diese inhaltlichen Einschränkungen akzeptiert, zeigt sich doch, dass der Begriff der Demokratie eine enorme Popularität geniesst. Aber woher stammt diese Beliebtheit und wieso glauben so viele Leute, dass Demokratie die beste Staatsform ist? Wie gut sind die Gründe für diesen Glauben, unabhängig davon ob der Glaube selber gerechtfertigt ist oder nicht?

Glauben sie daran, weil ihre Eltern daran glauben? Weil sie es in der Schule gelernt haben? Weil die Presse davon überzeugt ist? Weil die Akademiker an die Demokratie glauben? Doch historisch gesehen geschieht es oft, dass sich Völker systematisch täuschen. Wäre dies nicht der Fall, so hätte bereits die erste aller Zivilisationen grösstenteils dieselben (oder zumindest nicht fundamental andere) Antworten auf ökonomische, politische, philosophische, ethische und naturwissenschaftliche Fragen finden müssen wie unsere heutige Gesellschaft. Sofern man nicht von historisch unvermeidbarem Fortschritt ausgeht, besteht eine nicht vernachlässigbare Möglichkeit, dass eine frühere Zivilisation eine dieser Fragen besser beantwortet hat und sich somit die gegenwärtige Gesellschaft systematisch irrt.

Glauben sie daran, weil es eine Tautologie ist? Dass Demokratie bedeutet, dass der Wille des Volkes umgesetzt wird, und das Ergebnis folglich per definitionem gut ist. Doch was ist mit Kriterien wie Freiheit, Wohlstand, Sicherheit?

Glauben sie daran, weil die Demokratiebefürworter die besten theoretischen Argumente haben? Doch hat die Mehrzahl der Menschen die besten Argumente der besten Vertreter der jeweiligen Theorien tatsächlich gehört oder haben sie sich die anderen Staatsformen von den Demokratiebefürwortern erklären und als negativ darstellen lassen?

Glauben sie daran, weil die Empirie zeigt, dass die Demokratie jene Staatsform ist, die zur grössten Freiheit, zum grössten Wohlstand, zur grössten Sicherheit, zum grössten Glück und zur grössten Tugendhaftigkeit führt? Haben wir gute empirische Daten, anhand derer man die verschiedenen Staatsmodelle vergleichen und bewerten könnte? Sind die Daten so gut, dass man alle Störfaktoren rausfiltern kann? Gibt es zu allen gegenwärtigen, vergangenen und zukünftigen Staatsformen genügend gute empirische Daten?