ars libertatis



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Allgemeines

Eheverträge sind derzeit landesweit staatlich standardisiert und homogenisiert, und es gibt Bestrebungen, sie kontinentweit oder weltweit zu normieren. Die staatliche Normierung bedeutet, dass der Staat die Pflichten und Rechte der jeweiligen Ehepartner festlegt. Bei einer Privatisierung der Ehe wären Eheverträge aus Sicht des Staates gewöhnliche Verträge, deren Inhalt durch die Vertragsparteien und nicht durch den Staat definiert wird. Dies hätte zur Folge, dass die Vielfalt an Eheverträgen stark zunehmen würde. Manche Verträge wären dabei lockerer als die heutigen, andere strenger. Dies würde Progressive und Konservative gleichermassen erfreuen und verärgern. Konservative müssten sich damit abfinden, dass Homosexuelle Personen des gleichen Geschlechts heiraten dürften und dass Ehen in der gleichen Stunde aufgelöst werden könnten, in der sie geschlossen worden sind. Dafür könnten sie sich darüber freuen, dass jede Kirche selber Eheverträge entwerfen kann, die beispielsweise die Scheidung erschweren oder Ehemann und Ehefrau unterschiedliche Rechte und Pflichten zukommen lassen. Für Progressivisten wären Freude und Ärger ungefähr umgekehrt.

Dies sind zugleich die Gründe, wieso Rechte und Linke in absehbarer Zeit die Privatisierung der Ehe nicht befürworten werden. Rechte wollen keine gleichgeschlechtlichen Ehen und keine Vielehen. Linke wollen nicht, dass Frauen Verträge eingehen können, mit denen sie sich stark an ihre Ehemänner binden und die ihnen andere Aufgaben und Möglichkeiten zugestehen als ihren Ehegatten. Wobei es natürlich bei Linken wie auch bei Rechten Ausnahmen gibt, und der Widerstand gegen gleichgeschlechtliche monogame Ehen schwindet. Ein Mittelweg könnte hier sein, dass Eheverträge zwingend symmetrisch sein müssen. Das wäre sozusagen eine privatisierte Ehe mit eingeschränkter Vertragsfreiheit.

Aus individualistischer Sicht wäre die Privatisierung (oder präziser: die Vermarktwirtschaftlichung) der Ehe erfreulich, denn so könnte jedes Paar (oder jedes Kollektiv) den Ehevertrag auf seine persönlichen materiellen und spirituellen Bedürfnisse zuschneiden. Der Religionsfreiheit und Glaubensfreiheit wäre die Eheprivatisierung auch zuträglich, da nun Ehen möglich werden würden, die religionskonform sind, aber bisher den staatlichen Eheanforderungen und Ehenormen widersprochen hätten.



Polygamie

Als Polygamie oder Vielehe wird ein Eheverhältnis zwischen drei oder mehr Personen bezeichnet. Polyandrie oder Vielmännerei ist es, wenn eine Frau mit mehreren Männern verheiratet ist; Polygynie oder Vielweiberei, wenn ein Mann mit mehreren Frauen verheiratet ist; Polygynandrie oder Gruppenehe, wenn mehrere Frauen und mehrere Männer miteinander verheiratet sind.

Der Begriff der Polygamie bezeichnet generell eine Ehebeziehung mit mehr als einer Person zu ein und demselben Zeitpunkt. Ehebeziehungen mit mehr als einer Person zu verschiedenen Zeitpunkten werden meist als serielle Monogamie und damit als Unterform der Monogamie angesehen. Doch da bei der seriellen Monogamie eine Person mit mehreren anderen Personen verheiratet ist, wenngleich nicht gleichzeitig, könnte man diese auch als Unterform der Polygamie einstufen, oder vielleicht als Mischform zwischen Polygamie und Monogamie, wobei die Begriffe Monopolygamie und Polymonogamie laut einer Internetsuche andere Konnotationen haben. Deshalb könnte es nützlich sein, zwischen vertikaler und horizontaler Polygamie, und vertikaler und horizontaler Monogamie zu unterscheiden. Vertikale Monogamie wäre dabei eine Ehe pro Leben, horizontale Monogamie und vertikale Polygamie mehrere Ehen nacheinander, horizontale Polygamie mehrere Ehen gleichzeitig.