ars libertatis

3. Juli 1883 - 3. Juni 1924

Wenn Du vor mir stehst und mich ansiehst, was weißt Du von den Schmerzen, die in mir sind und was weiß ich von den Deinen. Und wenn ich mich vor Dir niederwerfen würde und weinen und erzählen, was wüsstest Du von mir mehr als von der Hölle, wenn Dir jemand erzählt, sie ist heiß und fürchterlich. Schon darum sollten wir Menschen voreinander so ehrfürchtig, so nachdenklich, so liebend stehn wie vor dem Eingang zur Hölle.

Brief an Oskar Pollak, 8. November 1903
Ich glaube, man sollte überhaupt nur noch solche Bücher lesen, die einen beißen und stechen. Wenn das Buch, das wir lesen, uns nicht mit einem Faustschlag auf den Schädel weckt, wozu lesen wir dann das Buch? … Ein Buch muß die Axt sein für das gefrorene Meer in uns."
Brief an Oskar Pollak, 27. Januar 1904

Ein Mensch, der kein Tagebuch hat, ist einem Tagebuch gegenüber in einer falschen Position.

Tagebücher, 29. September 1911

Zweifellos ist in mir die Gier nach Büchern. Nicht eigentlich sie zu besitzen oder zu lesen, als vielmehr sie zu sehen, mich in der Auslage eines Buchhändlers von ihrem Bestand zu überzeugen.

Tagebücher, 11. November 1911

Was ich geleistet habe, ist nur ein Erfolg des Alleinseins.

Tagebücher, 1913

Es gibt Möglichkeiten für mich, gewiss, aber unter welchem Stein liegen sie?

Tagebücher, 1914