ars libertatis

Demokratie wird oft als self-government oder als Selbstbestimmung bezeichnet, doch während dies für das Kollektiv gelten mag, ist dies auf individueller Ebene nicht der Fall. So ist es beispielsweise eine politische und nicht eine individuelle Entscheidung, was gegessen und was als Essware verkauft werden darf, wie das Transportationssystem gestaltet wird und wer dieses finanzieren muss, welche Unterhaltungsarten subventioniert werden und damit an Prominenz gewinnen, welche Meinungen die Bürger äussern dürfen und welche sie in den Schulen zu hören bekommen. Diese Regeln sind jedoch nicht durch Einigung aller betroffenen Parteien beschlossen worden, sondern durch Mehrheitsentscheide, wobei die Mehrheit manchmal aus der Mehrheit der stimmenden Bürger und manchmal aus der Mehrheit des Parlaments besteht. Man kann nicht von gemeinsamen Entscheidungen sprechen, da sich die Abstimmungsverlierer stets den Präferenzen und den Gesetzeswünschen der -gewinner unterordnen müssen. (Nur in Ausnahmefällen verfügen die Unterlegenen über genügend politische Macht, um die Umsetzung des Abstimmungsergebnisses zu verhindern oder zu verzögern.) Ein Teil der Bevölkerung, manchmal eine Mehrheit, manchmal eine Minderheit, wird somit zwangsläufig fremdbestimmt. Denn diese Personen haben nicht selber gewählt, sich durch politische (demokratische) Entscheide binden zu lassen, sondern sind in ein System geboren worden, das Sezession verhindert und als einzige Form des Exits lediglich das Verlassen der Heimat (und mit ihr der heimischen Landschaft, Kultur und Sprache, der Familie und Freunde, sowie der Arbeitsstelle) zulässt. (Und je grösser der Staat ist, den man verlassen will, umso mehr (Heimat) muss man aufgeben, um sich dessen Einfluss zu entziehen. Aus einem Nationalstaat auszuwandern ist dementsprechend einfacher als aus einem Kontinentalstaat. Emigration aus einem Weltstaat ist derzeit noch nicht möglich.)