ars libertatis

7. November 1903 - 27. Februar 1989

Die Musik und die bildenden Künste wirken außerdem noch unbehindert durch sprachliche Schranken und sind schon deshalb dazu berufen, den Menschen auf einer Seite eines Vorhanges zu sagen, daß auch auf der anderen solche wohnen, die dem Guten und Schönen dienen. Eben um dieser Aufgabe willen muß Kunst unpolitisch bleiben. Das maßlose Grauen, das uns bei politisch tendenziös gesteuerter Kunst befällt, ist voll berechtigt.

Das sogenannte Böse: Zur Naturgeschichte der Aggression (1963), II. Übervölkerung

Wir alle, die wir in dichtbesiedelten Kulturländern oder gar in Großstädten leben, wissen gar nicht mehr, wie sehr es uns an allgemeiner, herzlicher und warmer Menschenliebe gebricht. Man muß einmal in einem wirklich dünnbesiedelten Land, wo mehrere Kilometer schlechter Straßen die Nachbarn voneinander trennen, als ungebetener Gast in ein Haus gekommen sein, um zu ermessen, wie gastfreundlich und menschenliebend der Mensch dann ist, wenn seine Fähigkeit zu sozialem Kontakt nicht dauernd überfordert wird.

Die acht Todsünden der zivilisierten Menschheit (1973), II. Übervölkerung

Unsere Nächstenliebe wird durch die Massen der Nächsten, der Allzunahen, so verdünnt, daß sie schließlich nicht einmal mehr in Spuren nachweisbar ist. Wer überhaupt noch herzliche und warme Gefühle für Mitmenschen aufbringen will, muß sie auf eine geringe Zahl von Freunden konzentrieren, denn wir sind nicht so beschaffen, daß wir alle Menschen lieben können, so richtig und ethisch die Forderung ist, dies zu tun.

Die acht Todsünden der zivilisierten Menschheit (1973), II. Übervölkerung