ars libertatis

Kultursubventionen werden bisweilen als Kulturförderung oder als Kulturpolitik bezeichnet, doch diese Begriffe sind unpräzise. Eine liberale Politik, die auf Subventionen verzichtet, aber die Kunstfreiheit der Bürger schützt, ist auch eine Form der Kulturpolitik und würde sich aus liberaler Sicht förderlicher auf die Kultur auswirken als eine Politik, die wie heute, Kultursubventionen verteilt, aber die Kulturfreiheit beschneidet. Denn Kultursubventionen (dazu gehören Kunstsubventionen, Literatursubventionen, Filmsubventionen, Musiksubventionen, Festivalsubventionen, staatliche Kunstpreise, etc. etc.) haben viele verschiedene, teilweise gegensätzliche Auswirkungen auf die Gesellschaft und die Einwohner eines Landes, so dass die Gesamtwirkung nicht einfach dem Subventionsbetrag entspricht.

Grundsätzlich werden bei Kultursubventionen Steuergelder (die einen beliebigen Ursprung haben können) an jene Kulturschaffenden umverteilt, die von den Organen des Staates (oder deren Beauftragten) als subventionswürdig eingestuft werden. Die Kulturproduzenten fallen damit in zwei Kategorien: Subventionsempfänger und Nichtsubventionsempfänger. Für erstere können die Subventionen profitabel sein, müssen es aber nicht. Letztere erhalten nichts, müssen aber mit den Steuern die Subventionen mitfinanzieren. Tendenziell hat dies die Wirkung, dass der kulturelle Output bei ersteren steigt und bei letzteren sinkt. Die Kulturkonsumenten lassen sich in verschiedene Kategorien einteilen, die sich bisweilen gegenseitig überlappen: Manche Leute konsumieren die subventionierten Angebote und können damit einen Teil der Kosten, die sie ansonsten hätten tragen müssen, externalisieren. Andere Leute konsumieren die subventionierte Kultur nicht, müssen sie aber mitfinanzieren und verfügen somit über weniger Geld, mit dem sie den eigenen Kulturkonsum bezahlen könnten. Manche Leute würden die subventionierten Angebote auch ohne staatliche Intervention unterstützen. Für sie ändert sich damit eher wenig, ausser dass die freiwillige Unterstützung weniger Bürokratie beanspruchen würde und somit effizienter wäre. Andere Leute hätten ohne Subventionen andere, aber vergleichbare Projekte unterstützt, also beispielsweise einen anderen Musiker als jenen, den der Staat für subventionswürdig hält. Wiederum andere Leute hätten ihr Geld völlig anders ausgegeben, also beispielsweise für Ferien oder Autoleasingraten statt für ein Filmfest oder einen Kunstpreis.

Dies zeigt, dass der Staat mit Kultursubventionen nicht einfach den Anteil der Kulturausgaben an den Gesamtausgaben erhöht, sondern die Kulturlandschaft verändert und jene Künstler und Kulturprojekte privilegiert, die den Geschmack der Politiker und Beamten treffen, vielleicht weil sie politische Kunst kreieren und eine ähnliche Ideologie vertreten wie die Politiker oder weil sie eine Kunstrichtung gewählt haben, die die Beamten für besonders schön oder wertvoll halten. Da auch Künstler Geld verdienen müssen, entfaltet dies auf die nichtsubventionierten Künstler den Anreiz, subventionskonformere Kunst zu kreieren, um auch in den Genuss von Subventionen zu kommen. Kulturförderung kann damit keine gleichmässige Förderung aller Kulturformen und Kulturschaffenden sein, sondern stets nur eine Förderung einiger spezifischer Genres, Organisationen und Künstler.

Kultursubventionen verlagern die Entscheidungsmacht über gewisse Ausgabenentscheide von den Bürgern zu den Politikern. Dies dürfte man als negativ einstufen, wenn man davon ausgeht, dass die Individuen grundsätzlich bessere Entscheidungen über den eigenen Konsum und die eigene Produktion treffen können als andere Menschen, insbesondere Menschen, die von ihnen so weit entfernt sind wie die meisten heutigen Politiker. Zudem gibt es keine Anzeichen dafür, dass Politiker und Beamte ästhetisch begabter (oder interessierter) sind als der Durchschnittsbürger und dadurch Kulturausgaben tätigen könnten, die im Vergleich zur Gesamtheit der freiwilligen individuellen Ausgaben einen grösseren ästhetischen Ertrag abwerfen würden.