ars libertatis

Macht ist interpersonal. Sie findet zwischen zwei selbstgesteuert agierenden Entitäten statt, die natürliche oder juristische Personen, Einzelpersonen oder Korporationen, Menschen oder andere Tiere sein können. Diese Zwei-Entitäten-Machtverhältnisse sind miteinander verkettet, so dass alle Entitäten in einer Gesellschaft, und in einer schwächeren Form alle Entitäten in der irdischen Biosphäre indirekt miteinander verbunden sind. Macht bleibt jedoch eine Beziehung zwischen zwei Entitäten und wird nicht zu einer Beziehung zwischen zwei Gruppierungen, in denen die Entitäten aufgrund von beliebigen Merkmalen aggregiert sind.

Man kann abstrahieren und von Machtbeziehungen zwischen Personengruppen sprechen, doch damit geht ein Informationsverlust einher. Dies bedeutet, dass eine Aussage über ein Machtverhältnis zwischen zwei Gruppierungen im abstrahierten Durchschnitt stimmen mag, sich daraus aber nichts Definitives über zwei beliebig ausgewählte Individuen ableiten lässt. Einzig eine Wahrscheinlichkeitsvermutung ist möglich, also dass statistisch gesehen eine so geartete Machtbeziehung wahrscheinlicher ist als eine anders geartete.

Macht ist situationell. Sie hängt nicht nur von den Merkmalen der zwei beteiligten Entitäten ab, sondern auch von den Merkmalen der Situation. Dies bedeutet, dass die Machtbeziehung nicht fest und statisch ist, sondern sich je nach Situation stark ändern kann.

Macht sollte man sich folglich nicht als starre schiefe Ebene vorstellen, auf der die eine (mächtige) Gruppe am höheren Rand steht und die andere (machtlose) am tieferen, sondern als zerklüftete Landschaft, die changieren und in jeder Situation anders aussehen kann.


Die folgenden Graphiken bilden auf der z-Achse die Macht ab, und auf den x- und y-Achsen ein, zwei oder auch mehrere beliebige Bevölkerungsmerkmale.


Macht, visualisiert

Eine binäre Machtverteilung, bei der 1% der Leute sämtliche Macht haben und 99% der Leute keine Macht haben. Diese Verteilung ist nicht nur in Demokratien, sondern auch in Autokratien höchst unrealistisch.


Macht, visualisiert

Eine lineare Machtverteilung, bei der eine stärkere Ausprägung der Merkmale x und y direkt mit einer Zunahme an Macht verbunden ist. Diese Verteilung ist ebenfalls sehr unrealistisch.


Macht, visualisiert

Eine komplexere und realistischere Machtverteilung, die aber immer noch zu viel Homogenität vorspiegelt.


Macht, visualisiert

Hier wird sichtbar, dass es auch innerhalb von Gruppierungen mit ähnlich stark ausgeprägten Merkmalen x und y ein Machtgefüge gibt.


Macht, visualisiert

Der Beginn einer multipolaren Machtverteilung zeichnet sich ab.


Macht, visualisiert

Die Macht ist multipolar verteilt, die Machtdifferenzen nicht unbedingt kleiner als in den vorhergehenden Beispielen, statistisch gesehen gibt es immer noch einen Zusammenhang zwischen den Merkmalen x und y und der Macht z, doch es ist gut sichtbar, dass Leute mit ähnlich ausgeprägten Merkmalen x und y unterschiedlich viel Macht besitzen können.


Macht, visualisiert

Die Landschaft ist stärker zerklüftet, die Machtdifferenzen jedoch nicht geringer.


Abhängig von den gewählten Bevölkerungsmerkmalen und der spezifischen Situation wird die Machtlandschaft anders aussehen. Manchmal wird sie stärker zerklüftet sein, manchmal wird es zu einer Clusterbildung kommen, manchmal wird sie relativ flach sein. Form 1 und 2 wird sie jedoch nie annehmen, und Form 3 eher selten.