ars libertatis

In einer privatrechtlichen Gesellschaft gäbe es keine Landesgrenzen, sondern nur Eigentumsgrenzen. Jeder Eigentümer hätte die vollständige Hoheit über sein Eigentum und könnte selber bestimmen, was er damit tut und wem er es unter welchen Bedingungen zugänglich macht. Der Eigentümer könnte somit frei entscheiden, welche Arbeiter er anstellt, mit welchen Leuten er Verträge abschliesst, wen er auf sein Grundstück lässt und wen er wohltätig unterstützt. Die interkontinentale und internationale Immigration würde somit von den Eigentümern gesteuert. Manche Eigentümer, etwa Kirchen oder sozialistische Kommunen, würden dabei viele Ausländer aufnehmen und ihr Eigentum mit ihnen teilen; andere Eigentümer, etwa grössere Unternehmen oder Bauern, würden tüchtige und talentierte Immigranten anstellen; und wiederum andere Eigentümer, etwa Gated Communities oder Nachtlokale, würden Einwanderern keinen Zutritt gewähren.

Gegenwärtig sieht die Situation anders aus: Der Staat entscheidet, wie viele Leute ins Staatsgebiet einwandern können und die Staatsbürger werden teilweise dazu gezwungen, die Einwanderer finanziell zu unterstützen, sie anzustellen und ihnen Zutritt zu kommerziell genutztem Privateigentum zu gewähren, und teilweise von der Staatsgewalt davon abgehalten, dies zu tun.

Entscheidet der Staat, mehr Migranten aufzunehmen, so ist das zwar positiv für die Migranten und diejenigen Inländer, die freiwillig geschäftliche oder private Beziehungen mit Migranten eingehen wollen, aber negativ für jene, die dies nicht tun möchten, vom Staat jedoch dazu gezwungen werden. Entscheidet der Staat hingegen, weniger Migranten aufzunehmen, so ist dies positiv für diejenigen Inländer, die nicht mit Migranten verkehren wollen, aber negativ für die Migranten und jene Inländer, die gerne Migranten angestellt oder ihnen Asyl gewährt hätten. In beiden Situationen verletzt der Staat Eigentumsrechte und Freiheitsrechte (darunter die Vertragsfreiheit, die Vereinigungsfreiheit, und die Wirtschaftsfreiheit) seiner Bürger.

Weder eine Öffnung der Grenzen noch eine Verschärfung der Grenzen wäre zielführend, wenn es darum geht, die Rechte und Präferenzen sowohl der Immigrationsbefürworter wie auch der Immigrationsgegner besser zu wahren. Nur eine dezentralere und lokalere Regulierung der Migration würde beiden Seiten erlauben, die Migration stärker ihren Werten gemäss zu gestalten. Zudem würden die externen Effekte von Migration und Nichtmigration eher als heute von Leuten getragen werden, die dazu bereit sind und nicht vom Staat dazu gezwungen werden. Zumal sich die Seiten uneinig sind, welche Externalitäten Kosten und welche Nutzen sind.