ars libertatis

Die Niederlassungsfreiheit ist eine bedeutsame und nützliche Freiheit. Wo es (in einem deskriptiven und nicht in einem rechtlichen Sinne) keine Niederlassungsfreiheit gibt, ist auch Exit nicht möglich. Gerade für Leute, die Voice eher kritisch gegenüber stehen, ist Exit von äusserster Wichtigkeit. Doch der primäre (metapolitische) Nutzen von Exit liegt in der Abwanderung in eine institutionell andersartige Domäne. Ohne Domänenvielfalt muss man stets bei der gleichen Institution bleiben und kann neben Gegenden mit verschiedenen Stellenangeboten bloss zwischen geographisch und klimatisch unterschiedlichen Regionen wählen. Diese Wahl sollte nicht unterschätzt werden, schliesslich können die geographischen Präferenzen stark divergieren, aber aus einem metapolitischen Blickwinkel ist sie vernachlässigbar.

Institutionelle Vielfalt bedingt jedoch Vereinigungsfreiheit. Die Bürger müssen die Freiheit haben, sich zu gemeinsamen Zwecken und Zielen zusammenzuschliessen und diese gemeinsam anzustreben. Das bedeutet, dass sie andere Bürger, die diese Ziele nicht teilen, ausschliessen können müssen. Die Vereinigungsfreiheit hängt somit bis zu einem gewissen Grade von der Diskriminationsfreiheit ab (im Sinne der Freiheit zu diskriminieren, nicht der Freiheit, nicht diskriminiert zu werden). Denn wo der Zugang zu einer Gemeinschaft nicht beschränkt ist, kann der Zustrom Aussenstehender zu einer Verschiebung des ursprünglichen Gemeinschaftszweckes oder des Gemeinschaftscharakters führen. Dies kann selbst dann geschehen, wenn der Zweck statutorisch festgehalten ist. Denn einerseits können Statuten geändert werden, andererseits können sie neu gewichtet oder neu interpretiert werden.

Die Niederlassungsfreiheit profitiert von der Vereinigungsfreiheit und stärkt diese, steht mit dieser aber zugleich in Konflikt, da diese bedingt, dass nicht jede Person in jede Domäne einwandern kann, sondern dass die Domäneneigner frei bestimmen können, welche Fremden sie ein- und welche sie ausschliessen.

Domänenübergeordnete Gesetze, die den betroffenen Domänen eine mittlere Zutrittsrestriktivität oder eine mittlere Migrationsintensität vorschreiben, sind sowohl für jene Domänen nachteilig, die gerne weniger restriktiv sein möchten, wie auch für jene, die restriktiver sein möchten. Einzig die durchschnittlichen Domänen profitieren, da sie ihre Normen Drittdomänen aufzwingen können.

Eine mögliche Lösung für das Dilemma (will man die Domänen nicht vereinheitlichen und die institutionelle Diversität abbauen, was viele Vertreter des Universalismus anstreben) liegt darin, die Domänen klein zu halten oder zumindest eine Mischung von kleineren und grösseren Domänen zu erzielen. Dies ermöglicht es Regionen mit ähnlichen geographischen und ökonomischen Bedingungen unterschiedlich restriktive Domänen zu beherbergen.

Zwar führt dies zu keiner absoluten Niederlassungsfreiheit, aber doch zu einer relativen Niederlassungsfreiheit, da mit kleinerer Domänengrösse die Wahrscheinlichkeit grösser ist, dass es in der Zielregion eine Gemeinschaft mit passenden Zutrittsregeln gibt. Zugleich ist die institutionelle Autonomie der Domänen recht gut geschützt, so dass verschiedenartige Institutionen möglich sind und die Niederlassungsfreiheit auch eine metapolitische Bedeutung hat. Dies bedingt jedoch zugleich, dass die Bürger einen Willen zur Domänenwahl und zur Domänenvielfalt haben, dass sie also eher bereit sind, die Domäne zu wechseln als ihre gegenwärtige Domäne nach ihren Normen umzugestalten.