ars libertatis

21. November 1849 – 28. Oktober 1901

Gelehrte glänzen, wie der Mond, mit erborgtem Licht.

Psychologische Beobachtungen, Über Bücher und Schriftsteller, 7

Wer die Meisterwerke der Poesie verstanden hat, wird selten Lust verspüren, sich weitläufig über dieselben auszulassen, in dem Gefühl, dass die Schönheiten solcher Werke sich dem nicht durch Worte mitteilen lassen, der sie nicht bei der Lektüre selbst unmittelbar empfindet.

Psychologische Beobachtungen, Über Bücher und Schriftsteller, 8

Der Umstand, dass auch jeder andere Mensch seine Meinung für richtig hält, sollte uns misstrauisch machen gegen die Richtigkeit unserer Meinung.

Psychologische Beobachtungen, Über Bücher und Schriftsteller, 11/12

Jeder Handlung liegt ein Mosaik von Motiven zu Grunde, ohne dass wir zu erkennen vermöchten, aus wie viel Egoismus, Eitelkeit, Stolz, Furcht, Nächstenliebe etc. es zusammengesetzt ist. Der Philosoph kann nicht, wie der Chemiker, eine qualitative und quantitative Analyse zur Anwendung bringen.

Außerdem decken sich die Ausdrücke Egoismus, Eitelkeit etc. keineswegs mit den Empfindungen, welche sie bezeichnen: sie sind eigentlich nur Fingerzeige.

Psychologische Beobachtungen, Über die menschlichen Handlungen und ihre Motive, 19

Es existieren nicht zwei Personen, deren Intimität durch eine rückhaltlose Offenheit nicht leiden würde.

Psychologische Beobachtungen, Über die menschlichen Handlungen und ihre Motive, 21

Durch Vertraulichkeit bezweckt man weder die Einholung von Ratschlägen, noch die Erleichterung von Sorgen: Man will von einander entzückt sein.

Psychologische Beobachtungen, Über die menschlichen Handlungen und ihre Motive, 24

Viele sind eitel auf ihren Mangel an Eitelkeit.

Psychologische Beobachtungen, Über die menschlichen Handlungen und ihre Motive, 34/35

Man schließt von sich auf Andere, aber selten von Anderen auf sich.

Psychologische Beobachtungen, Über die menschlichen Handlungen und ihre Motive, 52/53

Es ist reizvoll ein Mädchen nicht zu verführen, welches auf dem Punkte steht, sich uns zu ergeben: Denn unserer Eitelkeit genügt ihr Wollen, und für den flüchtigen Liebesgenuss erlangen wir das angenehme Gefühl unseres hohen Edelmutes.

Psychologische Beobachtungen, Über Weiber, Liebe und Ehe, 70

Die sogenannten guten Gesellschafter pflegen sich selbst schlechte Gesellschafter zu sein, und umgekehrt.

Psychologische Beobachtungen, Vermischte Gedanken, 93

Jeder Mensch ist in den Kreis seiner Neigungen und Geschmacksrichtungen gebannt: Sie scheinen ihm vernünftig und gut, weil er sie hat, und die Neigungen Anderer findet er unbegreiflich, verrückt, weil er sie nicht hat.

Psychologische Beobachtungen, Vermischte Gedanken, 100

Behaglich mit einander sprechen zu können ist ein geringeres Zeichen von Sympathie, als behaglich mit einander schweigen zu können.

Psychologische Beobachtungen, Vermischte Gedanken, 105

Der Charakter der Geistlichen erscheint schwärzer, als der Charakter anderer Menschen, weil er sich von einem helleren Hintergrunde abhebt.

Psychologische Beobachtungen, Über religiöse Dinge, 123

Unsere Hoffnungen beglücken, solange sie nicht in Erfüllung gegangen sind.

Psychologische Beobachtungen, Über Glück und Unglück, 135

Niemand gesteht seine Eitelkeit (obgleich Jeder sehr eitel ist), teils weil sie aus den angegebenen Gründen der Immoralität, Unvernünftigkeit und Unsachlichkeit verpönt ist, teils weil wir nicht von der Meinung Anderer abhängig erscheinen wollen, sondern uns lieber stellen, als wäre sie uns gleichgültig, ja als verachteten wir sie.

Psychologische Beobachtungen, Versuch über die Eitel­keit, 153-157