ars libertatis

An Schönheitswettbewerben, wie etwa den regionalen, nationalen und internationalen Miss-Wahlen, wird oft kritisiert, sie seien sexistisch und anti-feministisch und würden Frauen objektifizieren und auf ihr Äusseres reduzieren. Doch sind nicht alle Wettbewerbe reduktiv, da sie zwingend nur einen sehr schmalen Aspekt einer Person messen? Wenn man bei Schönheitswettbewerben von einer Reduzierung sprechen möchte, dann müsste man konsistenterweise auch sagen, dass Sportwettkämpfe Frauen auf ihre Muskulatur oder auf ihr Reaktionsvermögen reduzieren, Schachwettkämpfe auf ihre Intelligenz, Scrabblewettkämpfe auf ihren Wortschatz, und dass Buchstabierwettbewerbe bereits kleine Kinder auf ihre Rechtschreibfähigkeiten reduzieren. Mit zunehmender wirtschaftlicher Spezialisierung werden auch Berufe immer reduktiver, da eine Spezialisierung stets eine Reduktion auf ein engeres Tätigkeitsfeld impliziert. Auch Freundschaften und Partnerschaften können reduktiv sein, da sie über Kristallisationspunkte zustande kommen, die die anderen Aspekte der Person in den Hintergrund rücken. Man könnte sogar jede Interaktion als reduktiv einstufen, da sie unter Ausschluss hunderter anderer Interaktionsarten geschieht. Geschlechtsverkehr und intellektuelle Diskussionen sind somit gleichsam reduktiv, und selbst wenn diese beiden Interaktionen gleichzeitig stattfinden, gibt es viele andere Interaktionen, die dadurch in dieser Zeitspanne unrealisiert bleiben.

Schönheitswettbewerbe können also kaum deshalb sexistisch sein, weil sie reduktiv sind, da sonst jeder Wettbewerb sexistisch sein müsste. Der Sexismus von Schönheitswettbewerben liegt auch nicht darin, dass bei ihnen die physische Schönheit im Vordergrund steht, denn Schönheit ist bloss ein Wert oder ein Personenaspekt unter vielen und nicht grundsätzlich anders als andere Werte wie Intelligenz, Höflichkeit oder Empathie. Es bleiben also historische Gründe übrig, wieso Schönheitswettbewerbe als sexistisch gelten, andere Wettkämpfe aber nicht, etwa eine traditionell stärkere kulturelle Betonung der Schönheit bei Frauen als bei Männern, die als nachteilig für Frauen ausgelegt wird. Ob dies zutrifft, ist jedoch eine andere Frage.