ars libertatis

Worte, Wörter, Wortwörtlichkeiten / Die Rerhetorisierung aller Rhetorik
 
Frei nach Nietzsches Umwertung aller Werte, denn obwohl ein Wortschatz kaum gross genug sein kann, sollte man auf manche Wörter dennoch verzichten, insbesondere wenn sie unpräzise und schwammig sind, oder wenn sie von Leuten geprägt sind, zu denen man grosse philosophische Differenzen hat. Denn so wie man ein Schwert schärft, indem man sukzessive Metallschichten abschleift, so kann man die eigene Sprache schärfen, indem man bestimmte Wörter aus seinem Vokabular weglässt. Es folgt daher eine Liste von Wörtern, die ich nicht oder nur stark eingeschränkt benutze. Floskeln erwähne ich hier nur in Ausnahmefällen, doch eine Entfloskelung der Sprache ist für einen guten Sprachstil unabdingbar.

  • Echtname / Klarname / Realname: Gemeint ist damit der Name, der in einem staatlichen Ausweis steht, doch anzunehmen, dass ein staatlich beurkundeter Name echter oder realer ist als ein anderer, ist philosophisch unzufriedenstellend und weist dem Staat illiberal viel Autorität zu.
    Bessere Alternativen: Ausweisname, Passname…

  • Gutmensch: Zynismus und Sarkasmus haben ihren Platz und Zweck, doch hier wird der Begriff des Guten unnotwendigerweise abgewertet und die als Gutmenschen Bezeichneten können den Begriff leicht invertieren, um ihn als Eigenlob zu verwenden und sich dadurch als gute Menschen darzustellen.
    Bessere Alternativen: Heuchler, Gleisner…

  • hatespeech / Hassrede: Es ist einseitig, nur von hatespeech, nicht aber von gluttonyspeech, lustspeech, greedspeech, pridespeech, despairspeech, envyspeech oder slothspeech, nur von Hassrede, nicht aber von Hochmutrede, Geizrede, Wollustrede, Völlereirede, Neidrede, Verzweiflungsrede oder Faulheitsrede zu sprechen, und diese Einseitigkeit wird nicht einmal zu begründen versucht.
    Bessere Alternativen: Zürnen, schimpfen, schlechtreden…

  • influencer: Einfluss kann ebenso negativ wie positiv sein, daher klingt influencer ein wenig wie manipulator. Vor allem aber ist es eine mangelhafte Berufsbezeichnung, da die meisten Berufe irgendeinen Anteil an Beeinflussung beinhalten.
    Bessere Alternativen: YouTuber, Instagrammer, Promi…

-Kapitalismus: Bezeichnet Kapitalismus das real existierende Wirtschaftssystem, so steht Kapitalismus für die etatistische Mischwirtschaft und nicht für die freie Marktwirtschaft. Zudem ist der liberale Wirtschaftsaspekt der Markt und nicht das Kapital.
Bessere Alternativen: Mischwirtschaft, Semi-Zentralplan-Semi-Markt-Wirtschaft, freie Marktwirtschaft…

  • linksliberal & rechtsliberal / linkslibertär & rechtslibertär: In jenem Ausmass, in dem Liberale oder Libertäre links oder rechts sind, sind sie nicht liberal oder libertär, denn rechts und links sind oft aliberal bis illiberal und eine Kombination aus Liberalismus oder Libertarismus und Links oder Rechts kann sich schwerlich auf ein Herauspicken aller liberalen Elemente aus dem Rechten oder Linken beziehen, da diese definitionsgemäss bereits im Liberalismus enthalten sind. Die Begriffe links/rechts-liberal/libertär deuten deshalb darauf hin, dass das Liberale durch illiberale Aspekte abgeschwächt wurde und Halbliberales sollte so als solches bezeichnet werden und nicht mit dem Mantel des Liberalen geehrt werden.
    Bessere Alternativen: halbliberal, halblibertär, pseudoliberal, pseudolibertär…

  • mansplaining / manspreading: Diese und alle ihre Derivate sind eine Form der Rhetorik, die sich einseitig gegen ein bestimmtes Geschlecht (oder gegen andere Bevölkerungsgruppen) wendet und daher jenen Sexismus verkörpert, den sie zu kritisieren vorgibt.
    Bessere Alternativen: Arroganz, herablassend behandeln, flegeln, lümmeln, platzraubend…

  • stark als Personenbezeichnung: Nichtssagend, ausser dass es nicht als Synonym für kräftig eingesetzt wird.
    Bessere Alternativen: Konkrete Begriffe wie arbeitsam, resolut, eigensinnig…

  • toxische Männlichkeit / Maskulinität: Es ist einseitig, von toxischer Männlichkeit, nicht aber von toxischer Weiblichkeit oder Femininität zu reden. Wenn zudem Geschlechtlichkeit toxisch sein kann, liegt es grundsätzlich nahe, dass auch Menschlichkeit oder nicht-geschlechtliche Teilaspekte des Menschseins toxisch sein können, doch der Begriff toxisch wird fast nur mit der Männlichkeit gepaart, was auf ein Motiv des Antiuniversalismus und der gezielten Unausgewogenheit hinweist.
    Bessere Alternativen: Gewalttätigkeit, Aggressivität, Jähzorn…