ars libertatis

Ein wirklich universelles Stimmrecht ist eine praktische Unmöglichkeit. Säuglinge und Komapatienten beispielsweise sind physisch nicht fähig abzustimmen. Es braucht also Kriterien, um die Wahlberechtigten von den Nichtwahlberechtigten zu trennen.

Derzeit üblich ist ein altersbasiertes Wahlrecht. Dieses soll dazu dienen, Unmündige von der demokratischen Partizipation auszuschliessen. Doch das Alter ist bisweilen ein mangelhafter Indikator für die Mündigkeit: Manche 15-Jährige wissen mehr über Politik als manche 55-Jährige. Manche 10-Jährige sind geistig fitter als manche 90-Jährige. Das Wahlrecht altersabhängig zu vergeben ist daher mit einer gewissen Ungenauigkeit verbunden. Zweckmässiger wäre es, die Mündigkeit direkt zu testen. Eine Art kombinierter Intelligenz- und Wissenstest beispielsweise, bei denen die Menschen geprüft werden, ob sie wissen, wie man gültig stimmt und wählt und ob sie die Fähigkeiten haben, die Fragestellungen zu verstehen und kohärente und konsistente Antworten darauf zu geben. Wer sein Wahlrecht behalten möchte, wäre dabei verpflichtet, sich in gewissen, vermutlich altersabhängigen Intervallen testen zu lassen. Wer das Wahlrecht (zurück)erhalten möchte, hätte das Recht, sich jedes Jahr ein Mal testen und neu bewerten zu lassen.

Solche Tests wären sinnvoller, da sie präziser zwischen Mündigen und Unmündigen trennen könnten, jedoch anfälliger für Machtmissbrauch durch die Tester und Testersteller. Das altersbasierte Wahlrecht hat wegen seiner Einfachheit eine Robustheit, die es schwer macht, Leute wegen ihrer politischen Gesinnung vom Stimmrecht auszuschliessen.