ars libertatis

Freiheit ist eine Chimäre. Sie ist eine reine Idee. Freiheit existiert rein materialistisch betrachtet so wenig wie die Würde der Kreatur, die Gerechtigkeit, die Wahrheit oder die Schönheit. Doch ihre Empfindung ist so real wie Thermorezeption, Nozizeption oder Propriozeption, wenngleich weniger fundamental und in diesem Sinne viel flüchtiger.

Freiheit ist eine Hydra. Hundert Parteien beanspruchen sie und kennen hundert Definitionen für sie. Freiheit ist ein altes Konzept, und wird immer wieder neu gedacht und neu gelebt. Dies macht es schwierig, über sie zu sprechen und ist oft ein quixotisches Unterfangen. Trotzdem scheint es schicklich zu sein, sich einem Ideal hinzugeben und welches wäre für die Moderne, die Postmoderne und die Metamoderne passender als die Freiheit?

Freiheit ist eine Facette des menschlichen Wertespektrums. Sie existiert neben hunderten anderen Werten, Emotionen und Idealen. Ein Mensch kommt nur dann zur Blüte, wenn viele seiner Bedürfnisse befriedigt werden. Wenn er nicht nur die Übel und Zwänge los ist, unter denen er leidet, sondern wenn er über jene guten und schönen Dinge des Lebens verfügen kann, nach denen er strebt. Doch die Menschen in ihrer Vielzahl und Vielfalt kennen abertausende unterschiedliche Lebensentwürfe und was dem einen schön oder gerecht ist, ist dem andern hässlich oder ungerecht.

Deshalb befürworte ich nicht bloss eine Konzeption der Freiheit, sondern tausende. Tausend Freiheiten sollen erblühen, wie unscheinbare Blüten in der Wüste und prachtvolle Kelche im Regenwald, wie Schlingpflanzen werden sie sich an anderen Freiheiten ans versengende Sonnenlicht hochhangeln. Freiheiten werden sterben, vermodern, von anderen Strukturen zersetzt werden, und dergleich den Boden nährend neue Freiheiten erschaffen. Freiheit ist somit so zyklisch zu verstehen wie das Leben und die Geschichte des Lebens selber.

In diesem Wissen wird die Freiheit hier jenes Licht sein, in dem wir die anderen Werte betrachten und in dessen Schein (der manchmal dem einer altertümlichen Kerze gleicht und manchmal dem eines blauen Hyperriesen) und Schatten wir andere Werte lieben lernen und lobpreisen werden.




Diese Seite wird nach und nach (ohne stringente Reihenfolge, in zunächst willkürlicher Ordnung und mit zwischenzeitlich unvollständigen oder skizzenhaften Textabschnitten) mit Inhalt gefüllt, doch für den Moment müssen die wenigen oben verlinkten Zeilen genügen.

Die Muse schweigt, mit jungfräulichen Wangen,
Erröten im verschämten Angesicht,
Tritt sie vor dich, ihr Urteil zu empfangen,
Sie achtet es, doch fürchtet sie es nicht.
Des Guten Beifall wünscht sie zu erlangen,
Den Wahrheit rührt, den Flimmer nicht besticht,
Nur wem ein Herz empfänglich für das Schöne
Im Busen schlägt, ist wert, daß er sie kröne.

Nicht länger wollen diese Lieder leben,
Als bis ihr Klang ein fühlend Herz erfreut,
Mit schönern Phantasien es umgeben,
Zu höheren Gefühlen es geweiht;
Zur fernen Nachwelt wollen sie nicht schweben,
Sie tönten, sie verhallen in der Zeit.
Des Augenblickes Lust hat sie geboren,
Sie fliehen fort im leichten Tanz der Horen.

Der Lenz erwacht, auf den erwärmten Triften
Schießt frohes Leben jugendlich hervor,
Die Staude würzt die Luft mit Nektardüften,
Den Himmel füllt ein muntrer Sängerchor,
Und jung und alt ergeht sich in den Lüften
Und freuet sich und schwelgt mit Aug und Ohr.
Der Lenz entflieht! Die Blume schießt in Samen,
Und keine bleibt von allen, welche kamen.

Friedrich Schiller, Abschied vom Leser

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